Lockdown und Co.: Bürgermeister aus dem Bezirk Tulln am Wort

Die NÖN sprach mit Ortschefs über den Lockdown und die für Februar 2022 in Aussicht gestellte Impfpflicht.

Erstellt am 24. November 2021 | 04:51

Ab Montag gilt ein bundesweiter Lockdown bis voraussichtlich 12. Dezember - für Ungeimpfte länger. Weiters kündigte die Bundesregierung eine Covid-19-Impfpflicht an; sie soll ab 1. Februar 2022 gelten. Sechs Bürgermeister aus dem Bezirk sagten der NÖN ihre Einstellungen dazu.

„Diese Maßnahme, um die Menschen zum Impfen zu bewegen, ist traurig und bedauernswert.“St. Andrä-Wörderns Bürgermeister Maximilian Titz zur Impfpflicht

„In der Stadt Tulln sind 85 Prozent der impfbaren Bevölkerung geimpft. Hätten alle Gemeinden so eine Quote, wäre der Lockdown nicht notwendig gewesen“, sagt Bürgermeister Peter Eisenschenk, „ich hoffe, dass sich die Lage bald normalisiert, sodass die Bürgerinnen und Bürger und die heimische Wirtschaft noch vor Weihnachten von den Einschränkungen befreit werden. In Form unseres umfangreichen Impfangebotes sowie der Testungen möchten wir jedenfalls weiterhin unser Möglichstes tun, um zur Besserung der Situation beizutragen.“

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Grafenwörths Bürgermeister Alfred Riedl sagt: „Wir verfügen über keine ausreichende Impfquote, deshalb muss es nun eine Impfpflicht geben, um weitere Lockdowns zu vermeiden.“ Der jetzige neuerliche Lockdown wäre durch eine höhere Impfbereitschaft vermeidbar gewesen.

St. Andrä-Wörderns Bürgermeister Maximilian Titz glaubt nicht, dass man eine Impfpflicht durchsetzen kann: „Diese Maßnahme, um die Menschen zum Impfen zu bewegen, ist traurig und bedauernswert.“ Für ihn ist der jetzige Lockdown okay, „er hätte nur schon früher stattfinden müssen, denn es ist schon fünf nach zwölf.“

Kirchbergs Bürgermeister Wolfgang Benedikt ist überzeugt, dass es Maßnahmen braucht, um die Menschen zur Impfung zu bewegen. „Wir müssen aus dieser Pandemie herauskommen. Natürlich ist Eigenverantwortung gefragt, aber wenn es nicht anders geht, ist auch eine Impfpflicht zu unterstützen – wenn auch etwas zähneknirschend“, so Benedikt.

Török: „Es war Zeit genug!“

Ähnlich sieht es auch Zwentendorfs Bürgermeisterin Marion Török: „Die derzeitige Situation ist leider notwendig geworden, hätte aber mit Präventionsmaßnahmen, z. B. Ausbau von PCR-Testmöglichkeiten, eine nationale Impfwoche und ehrlicher, aufklärender Politik verhindert werden können. Es war Zeit genug!“

Der Kirchberger Gemeindechef Benedikt wünscht sich als Weinhändler natürlich eine Unterstützung für die Wirtschaft und als Familienvater weiterhin geöffnete Schulen.

Königstettens Bürgermeister Roland Nagl sieht den Lockdown so: „Als individualisierte Gesellschaft haben wir es nicht geschafft, ohne Sanktionen eine kollektive Leistung zu erbringen - vereinfacht: Das gute Zureden hat nichts genützt, jetzt haben wir halt gemeinsam den Scherben auf!“

Zur Impfpflicht äußert er sich eher pragmatisch: „Ich gehöre zu jener Generation, deren Eltern nicht gefragt wurden ob eine Impfung gegen Pocken, Tetanus oder Kinderlähmung für das Kind gewünscht wird. Es wurde ganz einfach getan - und gescheit war es!“