TOP eröffnet den Wahlkampfreigen in Tulln. Nicht Ludwig Buchinger, sondern Michael Hanzl wird die Liste der „Tullner ohne Parteibuch“ 2020 anführen.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 24. Juli 2019 (04:29)
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Michael Hanzl hat als Listenerster bei TOP ein Fixmandat. Ludwig Buchinger muss wie alle anderen Kandidaten „ums Leiberl rennen“.

Ludwig Buchinger ist mit seinen Tullnern ohne Parteibuch (TOP) immer für eine Überraschung gut. Bei der Gemeinderatswahl 2020 will der Stadtrat wissen, wie wichtig es für Wähler seiner Liste ist, dass er selbst die Fraktion anführt.

„Daher werde nicht ich als Spitzenkandidat ins Rennen gehen, sondern Michael Hanzl“, erklärt Buchinger im Gespräch mit der NÖN. Hanzl sei damit der einzige, der fix gesetzt ist. „Ich bin kein Sesselkleber, daher stelle ich mich genau wie alle anderen Kandidaten, dem Bürgervotum“, so Buchinger weiter.

„Ich bin kein Sesselkleber, daher stelle ich mich genau wie alle anderen Kandidaten, dem Bürgervotum“

Bei einem entsprechenden Zuspruch mit persönlichen Stimmen werde er natürlich gerne weitermachen. Aber Politik brauche immer wieder neue Gesichter und die wolle TOP den Wählern auch bieten. Schon jetzt zeichne sich ab, dass die Parteiunabhängigen mit so vielen Kandidaten antreten werden wie noch nie zuvor. „Wir werden sie Schritt für Schritt vorstellen, aber es wird definitiv ein sehr interessantes, buntes Team, in dem fast alle Weltanschauungen vertreten sein werden, nur keine radikalen, weder von links noch von rechts“, verspricht Buchinger.

„Solange eine Partei mit weniger als 50 Prozent der Stimmen eine knappe Mehrheit in Mandaten hält, kann man ohnehin nicht viel bewegen

Der neue Spitzenkandidat Hanzl ist 48 Jahre jung, verheiratet, gelernter Chemiker und selbstständig. In seiner Freizeit schätzt er Reisen und den Golfsport. Nichts geändert hat sich am Ziel von TOP, die absolute Mehrheit der TVP zu brechen. „Solange eine Partei mit weniger als 50 Prozent der Stimmen eine knappe Mehrheit in Mandaten hält, kann man ohnehin nicht viel bewegen“, sind sich Buchinger und Hanzl einig.

Ein Dorn im Auge von Hanzl ist „der Mangel an Verhältnismäßigkeit bei manchen Ausgaben“. Hier kritisiert er beispielsweise die Vorgangsweise in Sachen Donaubühne.

„Nicht falsch verstehen: Erich Schindlecker und seine E&A machen die Sache gut. Was mich stört ist, dass der Vertrag seit 16 Jahren automatisch erneuert wird, ohne die Sache auszuschreiben. Auch bei der „Green Art“ haben wir einen Rechenschaftsbericht angefragt und wurden nur lapidar an die Pressestelle des Landes verwiesen“, erklärt der Neo-Listenerste.

Was TOP seit Jahren kritisiert: Die von der TVP propagierte „Stadt des Miteinanders“ sei nur ein „Marketingschmäh“. „Bestes und jüngstes Beispiel ist das Klimamanifest“, führt Buchinger aus, „wir wurden nicht in die Vorgespräche eingebunden und mussten dann mitstimmen, ohne inhaltlich mitgestalten zu können. Wenn wir nicht mitgegangen wären, hätte es geheißen: Ihr seid ja gegen das Klima.“ Ganz grundsätzlich wollen Hanzl und Buchinger sich dafür einsetzen, dass auch Standpunkte, die von jenem der Mehrheitspartei abweichen, akzeptiert werden.