Ortschef und Stadtarzt mobilisieren für „Don‘t Smoke“. Peter Eisenschenk und Franz Bichler sind überzeugt: „Mit jedem Lokal, das umstellt, wird Tulln ein Stück gesünder.“

Von Thomas Peischl. Erstellt am 21. Februar 2018 (05:27)
Stadtarzt Franz Bichler und Bürgermeister Peter Eisenschenk wollen möglichst viele Tullner Lokale dazu motivieren, freiwillig auf Nichtraucher umzustellen.
NOEN, Peischl

Schon in der Unterstützungsphase erreichte das Nichtraucher-Volksbegehren „Don‘t Smoke“ locker die 100.000-Unterschriften-Marke. Auch im Bürgerservice der Stadtgemeinde Tulln herrscht reger Andrang: Bis Montagmittag hatten alleine hier 182 Personen direkt vor Ort unterzeichnet.

Ein prominenter Unterstützer ist der Bürgermeister der Stadt selbst. Seine Beweggründe erklärt er in einem sehr persönlichen Blog-Eintrag auf seiner Website (peter.eisenschenk.at).

Was viele heute nicht mehr für möglich halten werden: Eisenschenk war selbst 22 Jahre lang starker Raucher. „Und die wahren Tempel des Rauchens waren für mich immer die Wirts- und Kaffeehäuser. In meinen eigenen vier Wänden rauchte ich nie“, erinnert sich der Bürgermeister, der nun schon seit 15 Jahren „clean“ ist. Auch die ganz seltenen Rückfälle passierten an einzelnen Abenden in Lokalen in Gesellschaft mit Rauchern.

„Rauchen ist nicht mehr chic. Es ist eine Frage des politischen Anstandes, fürs Nichtrauchen einzutreten.“ Peter Eisenschenk

„Der entscheidende Punkt ist: Es muss einem bewusst werden, um welche massive Selbstverletzung es sich handelt, wie sehr man sich selbst schädigt“, ist Eisenschenk überzeugt. Das habe er auch bei seinem Vater miterlebt, der 60 Zigaretten täglich „verschlang“ bis er mit einem Herzleiden im Krankenhaus vor die Wahl gestellt wurde: „Entweder Sie hören auf, oder Sie sterben.“

Eisenschenk senior hörte von einem Tag auf den anderen auf. Der Bürgermeister will nun aber nicht nur zur Unterzeichnung des Volksbegehrens motivieren, sondern möglichst viele Tullner Lokale dazu bewegen, freiwillig auf Nichtraucher umzustellen, und sie gegebenenfalls auch dabei fördern.

„Meine Aufgabe als Arzt ist es nicht nur, Kranke gesund zu machen, sondern auch dafür zu sorgen, dass Menschen nicht krank werden"

Fachlich kompetent zur Seite steht ihm dabei Stadtarzt Franz Bichler: „Meine Aufgabe als Arzt ist es nicht nur, Kranke gesund zu machen, sondern auch dafür zu sorgen, dass Menschen nicht krank werden. Wir müssen ein starkes Bekenntnis zum Nichtrauchen und zum Nichtraucherschutz abgeben.“ Dazu gehöre auch die Hilfe beim Aufhören. „Mit jedem Lokal, das umstellt, wird Tulln ein Stück gesünder“, sind Bichler und Eisenschenk überzeugt.

Der Bürgermeister sieht zusätzlich eine politische Verantwortung: „Es gehört Mut dazu, Wichtiges populär zu machen und sich nicht populistisch wegzuducken.“