Fälschlich in Tulln für tot erklärt – 83-Jährige lebt. Im Universitätsklinikum Tulln kam es zu einem schwerwiegenden Fehler: Zwei Patientinnen wurden vertauscht.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 04. Februar 2021 (16:31)
Ein Ausschnitt aus der bereits gedruckten Parte, die der NÖN zugespielt wurde.
privat

Das Begräbnis hätte morgen, 5. Februar, stattfinden sollen. Heute, Donnerstag, läutet frühmorgens das Telefon der Angehörigen. Die verblüffende Nachricht: Die 83-Jährige ist nicht tot, im Krankenhaus habe es eine folgenschwere Verwechslung gegeben.

Der Fall ist an Kuriosität kaum zu überbieten: Am Samstag wird die Frau aus Langenschönbichl (Marktgemeinde Langenrohr) ins Universitätsklinikum Tulln eingeliefert. Die Familie wird am Sonntag kontaktiert, die 83-Jährige sei verstorben. Die Frau sei „plötzlich und unerwartet von uns gegangen“, steht auf der Parte, die bereits gedruckt wurde.

Einen Tag vor der Bestattung kommt der Anruf vom Spital: Die Frau lebt! Es sei ein Fehler passiert, verstorben ist eine andere Frau, heißt es.

Das Universitätsklinikum Tulln bestätigt die Panne: „Ja, die angesprochene Patientenverwechslung hat leider stattgefunden, und wir bedauern dies zutiefst. Wir nehmen diese Situation sehr ernst und auch zum Anlass unsere Abläufe intern noch genauer zu überprüfen, um zukünftig Verwechslungen wie diese ausschließen zu können.“

Im Bedarfsfall werde das Krankenhaus „den Hinterbliebenen selbstverständlich psychologische Unterstützung anbieten und wir übernehmen die durch die Verwechslung entstandenen Kosten.“

Falscher Name als Grund

Wie konnte es zu dem Fehler kommen? „Am Samstag, 30. Jänner, wurden fast zeitgleich zwei Patientinnen in schlechtem Allgemeinzustand von der Rettung gebracht – eine Patientin von Zuhause, die andere aus einem Pflegezentrum. Beide waren nicht orientiert und konnten keinerlei Angaben zur eigenen Person machen“, schildert eine Sprecherin des Klinikums im Namen der Spitalsleitung. Am Sonntag, 31. Jänner, ist eine Frau verstorben – „durch den falschen Namen wurden die falschen Angehörigen verständigt und somit das Bestattungsunternehmen durch die Angehörigen.“

Am Mittwoch, 3. Februar, fällt die Verwechslung auf, „als die andere Patientin zurück in das Pflegezentrum geschickt werden sollte, jedoch vom Pflegepersonal vor Ort nicht erkannt wurde“, so das Krankenhaus.

Nach einer genauen Recherche habe man die Angehörigen kontaktiert – und sich aufrichtig für die Patientenverwechslung und die damit verbundene emotionale Belastung entschuldigt. Die Sprecherin unterstreicht abschließend: „Wir möchten betonen, dass beide Patientinnen medizinisch und pflegerisch lege artis (vorschriftsmäßig, nach den Regeln der ärztlichen Kunst, Anmerkung der Redaktion) behandelt wurden und durch die Verwechslung keinerlei Schaden erlitten.“