Scheuba gibt den Rasenmähermann. Im Gespräch mit der NÖN verrät der Kabarettist, warum es sich lohnt, ihm am Freitag, 30. November, ins Danubium zu folgen.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 29. November 2018 (04:06)
Christian Heredia
Florian Scheuba hält mit der hohen Schlagzahl der politischen Satire-Vorlagen mit, zu verfolgen Freitag in Tulln.

Er war Hektiker und Staatskünstler, er ist Schauspieler, Kabarettist und Autor. Am Freitag, 30. November, kommt Florian Scheuba mit seinem Programm „Folgen Sie mir auffällig“ ins Danubium.

Das mit dem „Folgen“ ist natürlich eine bewusst gewählte Mehrdeutigkeit. „In den sozialen Medien geht es darum, möglichst viele zu haben, die einem folgen. In der österreichischen Umgangssprache steht das Folgen oft für brav sein, gehorchen und auf der Bühne will ich, dass mir die Leute in der Satire inhaltlich folgen können“, erklärt Scheuba. Apropos Satire: Wie geht es dem Künstler mit der derzeitigen politischen Lage? „Das ist wie mit einem Arzt und der Grippewelle: Man hat so viel zu tun, dass man kaum noch nachkommt. Wobei es mir manchmal schon lieber wäre, wenn nicht so viel auf einmal passieren würde“, so Scheuba. Aber da von der Opposition derzeit nicht viel zu hören sei, werde die Rolle von Kabarettisten und Satirikern noch wichtiger.

„Kickls Pferde: Eh lustig, aber nicht relevant“

Die aktuelle Regierung schaffe mit ihrer „message control“ eine ganz spezielle Situation, da nur bestimmte Meldungen und Nachrichten an die Öffentlichkeit gelangen sollen. „Sobald eine Sache aufkommt, die unangenehm sein könnte, wird die Aufmerksamkeit auf etwas Anderes gelenkt“, sagt Scheuba. Spannend daran sei, dass man ständig hinterfragen müsse: Hat das jetzt Relevanz oder ist es nur eine Nebelgranate, die geschmissen wurde? „Das beste Beispiel sind Kickls Pferde: Eh lustig, aber nicht relevant. Da sind andere Themen im Innenministerium viel interessanter.“

Aufgabe des politischen Kabaretts sei es auch, bestimmte Dinge in der Öffentlichkeit zu halten. Scheuba: „Wir kommen mit dem Rasenmäher, wenn andere meinen, es wäre längst Gras über eine Sache gewachsen.“ Als Staatskünstler hatte er gemeinsam mit Robert Palfrader und Thomas Maurer jahrelang aus den BUWOG-Telefon-Abhörprotokollen gelesen, bis schließlich der Prozess begann.

„Es wäre vermessen zu sagen, dass wir die Welt verbessern können. Aber wir können ein bisschen etwas verändern, im Denken oder im Verhalten“, betont Scheuba. Da gehe es auch um Begrifflichkeiten, eine Lüge werde immer etwas anderes sein als eine Meinung. Donald Trump habe hier mit seinen „alternativen Fakten“ eine völlig „neue Qualität des Wahnsinns“ gebracht.

Aber bei „Folgen Sie mir auffällig“ geht es nicht nur um Politik. „Ich versuche auch, dem Föderalismus in seiner ganz speziellen österreichischen Ausprägung näher zu kommen“, erklärt Scheuba, etwa indem er eine Studie zitiert, in der ermittelt wurde, welche Begriffe in welchem Bundesland besonders häufig gegoogelt werden. In Niederösterreich, soviel könne er vorab verraten, wäre das etwa das Wort „Exil“.

Mehr dazu erzählt der Kabarettist am Freitag im Danubium. Scheuba schätzt Tulln übrigens auch privat, etwa Sodoma und Floh „als Orte des Guten“, und er besuchte schon so manches Donaubühnen-Konzert. „Seit Voodoo Jürgens der Stadt mit seinem Tulln Lied musikalisch ein Denkmal gesetzt hat, führt ohnehin kein Weg mehr an Tulln vorbei“, sagt nicht nur Scheuba.