Polnische Autodiebe: Einer von fünf steht endlich vor Gericht

Erstellt am 26. Mai 2022 | 09:43
Lesezeit: 4 Min
Das Gericht glaubte dem 67-Jährigen nicht
Symbolbild
Foto: APA (Symbolbild)
Im Herbst des letzten Jahres legten Ermittler des Landeskriminalamtes Niederösterreich einer Bande von polnischen Autodieben das Handwerk. Jedoch erschien nun nur einer der fünf Angeklagten vor Gericht und brachte heilloses Durcheinander mit sich.
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Die Verhandlung hätte eigentlich schon vor einer Woche stattfinden sollen. Allerdings wurde sie vertagt, weil nur einer der fünf angeklagten Autodiebe vorgeführt wurde. Wie sich herausstellte wurden die anderen vier schon aus der Untersuchungshaft entlassen und vermutlich wieder nach Polen verschwunden. 

Nun stand diese Woche ein 30-jähriger Pole im Landesgericht St. Pölten vor dem Richter. Jedoch soll er eigentlich nur an der tschechischen Grenze Schmiere gestanden sein, ein Auto hätte er persönlich nie gestohlen. Die eigentlichen Diebe sind wieder auf freiem Fuß.

Der Angeklagte wurde Ende Oktober des letzten Jahres in Tschechien festgenommen. Erwischt wurde er aufgrund seines Autos. Die österreichische Polizei bekam von den polnischen Behörden Hinweise darauf, dass zwei verdächtige Fahrzeuge, ein Renault und ein Polo, am Weg nach Österreich wären. Der Fahrer des Polos soll der Angeklagte gewesen sein. Das Fahrzeug wurde beobachtet, wie es von der tschechischen Grenze nach Tulln und dann wieder zurück zur Grenze fuhr und dort verweilte. 

Definitiv geplant

Es wird vermutet, dass der Angeklagte eine Späher-Funktion hatte, um die Verkehrslage und eventuelle Polizeikontrollen auszuforschen. Das zweite Auto begab sich einen Tag später nach Tulln, die Insassen begangen dann den Diebstahl. Gestohlen wurde ein Mercedes Benz im Wert von rund 70.000 Euro. Durch den schnellen Einsatz der österreichischen Polizei konnte das Fahrzeug noch vor der Grenze abgefangen werden, leider wurde das Auto dabei beschädigt. Der Tullner Besitzer hat sein Fahrzeug schon wieder zurück.

Das Auto wurde mit einem Funkstrecken-Verlängerer gestohlen, der im sichergestellten Renault gefunden wurde. Diese Geräte bauen auf moderne Funkschlüssel, die nicht mehr in die Zündung gesteckt werden müssen, um zu fahren. Wenn Schlüssel in einem Schlüsselkasten, oder Ähnlichem, neben der Haustür aufbewahrt werden, brauchen die Diebe nur diese Geräte, um das Signal des Schlüssels bis zum vorm Haus geparkten Auto zu verstärken. 

Diese Geräte kosten bis zu 35.000 Dollar auf dem Schwarzmarkt. Um sich vor Autodieben zu schützen empfiehlt sich den Autoschlüssel tiefer im Haus aufzubewahren oder in spezielle Schlüsselkästen, die das Signal abfangen. Neben dem Funkstreckenverstärker wurden im Dachhimmel des Fahrzeugs auch "super" gefälschte Kennzeichen gefunden, so der leitende Ermittler.

Ein heilloses Durcheinander

Österreichische Beamten nahmen den 31-Jährigen in Tschechien fest. Der angemietete Polo, den er fuhr, wurde von den tschechischen Behörden sichergestellt. Allerdings konnte das Fahrzeug nie genau von der österreichischen Polizei durchsucht werden, es wurde zu früh an den rechtmäßigen Besitzer in Polen zurückgegeben.

Bei der Polizei zeigte sich der Angeklagte geständig, allerdings zog er während der Verhandlung seine Aussage zurück. Ihm sei bei der ersten Vernehmung versprochen worden, dass er bei einem Geständnis sofort frei kommen würde.  Deswegen will er den bei der Vernehmung anwesend gewesenen Richter und zwei Beamten wegen Amtsmissbrauch verklagen. Der leitende Ermittler weist diese Anschuldigungen zurück.

Außerdem bestand der darauf, dass die anderen vier Angeklagten als Zeugen in seiner Verhandlung geladen werden, gegen den Rat des Richters und dem ihm gestellten Pflichtanwalt. Und um noch eins draufzusetzen, behauptete der Angeklagte auch noch psychisch krank zu sein und verlangte ein psychiatrisches Gutachten. Warum er der Meinung ist, konnte der Pole nicht sagen, meinte aber, dass sein schlechter Zustand durch die Haft verstärkt wurde. "Es geht mir einfach nicht gut", so der Pole.

Aufgrund dieser Anträge wurde die Verhandlung auf unbestimmte Zeit vertagt. Die Genehmigung der Anträge, das Gutachten und das Auffinden der restlichen Angeklagten könnte Wochen bis Monate dauern, die der 30-Jährige nun weiter in Haft verbringen muss, worauf der Richter ihn hinwies. Trotzdem stand der Pole zu seinen Forderungen.

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