Fischwanderhilfe: Jetzt fließt das erste Wasser. LIFE Network Danube Plus: Die Fischwanderhilfe Altenwörth ist sogar längste im ganzen Land.

Von Günter Rapp. Erstellt am 16. April 2021 (04:30)
Seit wenigen Tagen ist der Damm zum Krems-Kamp-Gerinne entfernt und damit die fischfreundliche Verbindung der beiden Waldviertler Flüsse mit der Donau wieder hergestellt worden.
VERBUND

Das Donaukraftwerk Altenwörth wird dank Niederösterreichs längster Fischwanderhilfe nun auch für Wasserbewohner passierbar. Das Umgehungsgerinne schafft zwölf Kilometer neuen Lebensraum entlang der Donau. Zusätzlich verbessert VERBUND als Kraftwerksbetreiber zusammen mit der Marktgemeinde Kirchberg die Badequalität am Altenwörther Altarm.

Nach einjähriger Bauzeit ist das Bett der neuen Fischwanderhilfe weitgehend fertiggestellt. Insgesamt werden bei den Arbeiten 580.000 Kubikmeter Kies und Feinsediment bewegt. Das Aushubmaterial wird vor Ort im Bereich des Altarmes genutzt. Der Bagger entfernte vor wenigen Tagen den Damm zum Krems-Kamp-Gerinne und stellte damit die fischfreundliche Verbindung der beiden Waldviertler Flüsse mit der Donau wieder her.

„Zusammen mit fischfreundlichen Maßnahmen im Bereich des Gießgangs im Oberlauf des Kraftwerks Greifenstein entsteht somit das Projekt LIFE Network Danube Plus in Partnerschaft und Mitfinanzierung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus, dem Land Niederösterreich und dem Niederösterreichischen Landesfischereiverband sowie der Europäischen Union im Rahmen der LIFE+-Projekte“, sagt VERBUND-Pressesprecher Florian Seidl.

„Solche erfreulichen Projektfortschritte erfüllen uns mit besonderem Stolz, weil wir damit ökologischen Mehrwert für kommende Generationen schaffen“, so VERBUND-CEO Michael Strugl. „Wir bringen Wasserkraft und Ökologie soweit wie möglich in Einklang. Nachhaltige Stromerzeugung und Rückzugsräume der Artenvielfalt sind an der Donau selten geworden, wir schaffen hier eine Wende.“

Projekt als Teil von LIFE Network Danube Plus

„Intakte Naturlandschaften und Gewässer zählen zu den größten Schätzen unseres Landes und der sorgsame Umgang damit ist in allen Bereichen die Basis für eine gesicherte Zukunft. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus stellt für die Sanierung von Gewässern 200 Millionen Euro an Finanzmitteln zur Verfügung. Deswegen unterstützt mein Ressort die Umsetzung der Fischaufstiegshilfe beim Kraftwerk Altenwörth als Teil des Projektes LIFE Network Danube Plus, da der Naturraum Donau dadurch wesentlich aufgewertet wird,“ stellt Bundesministerin Elisabeth Köstinger fest.

„Wir schützen, was wir lieben und geben der Natur wieder mehr Platz. Durch dieses Projekt können Fische wieder ungehindert passieren und über weite Strecken ziehen“, freut sich LH-Stv. Stephan Pernkopf. „Außerdem zeigt es, das Energiewende und Ökologisierung im Naturland Niederösterreich Hand in Hand gehen.“

Noch fast zwei Monate Hindernisse für Radler

Bis Anfang Juni wird die Überquerung des Altarmes und des Kraftwerks für Radfahrer weiterhin nur erschwert passierbar sein. Die Projektleitung ist bemüht, wie gewohnt an den arbeitsfreien Wochenenden die Querung zu ermöglichen. Vollsperren sind aber während der Adaptierung der Altarmschwelle leider nicht auszuschließen. Bis Sommerbeginn ist geplant, die neue Altarmschwelle für den Radverkehr frei zu geben.

Die Fischwanderhilfe wird mit mehr als 12,5 Kilometern Länge Niederösterreichs längste Fischwanderhilfe. Sie verbindet Renaturierungsprojekte an der Donau und ihren Zubringerflüssen und stärkt damit die Artenvielfalt der Donau. Vom Eisernen Tor in Rumänien bis nach Ybbs wird die Donau wieder durchgängig und mit ökologischen Rückzugsmöglichkeiten aufgewertet.

„Wir schützen, was wir lieben und geben der Natur wieder mehr Platz"

Zusätzlich zur Fischwanderhilfe verbessert VERBUND als Kraftwerksbetreiber zusammen mit der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram die Badequalität am Altenwörther Altarm. An beiden Ufern des Altarmes wird ein künstliches Biotop errichtet. Sinn dieses „constructed wetland“ ist die Selbstreinigung des Wassers. Das Überangebot an Nährstoffen wird gefiltert und reduziert. So soll das Algenwachstum auf ein natürliches Maß gebremst werden. Vorbild für die Wasserqualität ist der Altarm beim Donaukraftwerk Greifenstein.