Freispruch nach Kleiderständer-Brand. Eine 28-Jährige ehemalige Mitarbeiterin soll Feuer in einem Bekleidungsgeschäft in Tulln gelegt haben. Eindeutig beweisen kann man das aber nicht. Sie wird freigesprochen.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 02. Dezember 2020 (20:49)
So präsentierte sich die „New Yorker“-Filiale unmittelbar nach dem Brand.
Stadtfeuerwehr Tulln

Auch wenn es der Richter für sehr wahrscheinlich hält, dass die 28-jährige Angeklagte das Feuer im Tullner New Yorker verursacht hat, die Beweise reichen nicht für eine Verurteilung. Und während der Verhandlung kommt heraus: Es gibt noch zwei andere Tatverdächtige, Identität unbekannt. Wie von der NÖN berichtet fängt im Februar in der Rosenarcade ein Kleiderständer mit sogenannten „Boyfriend Jeans“ – zerrissener Look und daher leicht entflammbar – Feuer. Verletzt wird niemand, der Schaden: rund 56.000 Euro.

Mit einem Feuerzeug, dass man nur für wenige Sekunden an die Hosen zu halten braucht, sei das Feuer ausgelöst worden, so der Richter. Es gibt keine Beweise, dass sie es war – weder Videoaufnahmen, noch Zeugen – trotzdem steht eine ehemalige Mitarbeiterin wegen schwerer Sachbeschädigung vor Gericht, weil sie zum vermuteten Zeitpunkt des Brandbeginns in der Nähe des Kleiderständers war. Nur waren das eben auch andere Personen, die ebenfalls die Gelegenheit gehabt hätten, sagt die Verteidigerin.

Unbekannte Personen verdächtigt

Es gab Meinungsverschiedenheiten mit einer Kollegin, schildert die Angeklagte, deswegen habe sie kurz vor dem Brand übereilt gekündigt, wollte die Kündigung dann aber zurückziehen. Unzufriedenheit sei für sie aber kein Grund gewesen Feuer zu legen. Sie erzählt die Ereignisse so: Sie habe eine Jeans auf den betreffenden Kleiderständer gehängt und sei dann mit einer Kollegin eine neue Kollektion einschlichten gegangen. Als sie dabei das Feuer bemerkte, erzählt sie: „Es hat mehr geraucht als gebrannt, aber ich habe Panik bekommen und der Kollegin gesagt, sie soll die Kunden rausbringen“. Daraufhin habe sie die Feuerwehr gerufen. Wer den Brand gelegt hat, weiß sie nicht.

Weil ihm noch etwas unklar ist, hat der Richter jenen Polizeiinspektor geladen, der am Tatort war und den Bericht erstellt hat. Und nach einigem Geblättere in den Akten und ein paar Fragen nach der genauen Uhrzeit zu der der Brand entstanden ist, sind sich Richter und Inspektor einig: Es gibt noch zwei andere Frauen, die theoretisch das Feuer gelegt haben könnten. Im Gegensatz zu den acht anderen im Geschäft anwesenden Personen konnten diese beiden nicht identifiziert werden.

„Dass sie es war, kann man nicht hieb- und stichfest beweisen, auch wenn Sie das zu 95 Prozent bewiesen haben“, sagt der Richter zum Polizisten. Für eine Verurteilung muss es aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit feststehen, dass jemand schuldig ist. Es folgt daher ein Freispruch.