Rätselhafte Disco-Prügelei in Judenau. Aussage gegen Aussage hieß es letzte Woche am Landesgericht St. Pölten. Was wirklich geschehen ist, bleibt unklar.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 24. November 2020 (18:38)
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Im Februar kommt es in einer Disco zu einer Schlägerei. Am Ende liegt ein Mann schwer verletzt am Boden. Seine Brille fehlt und ein paar Zähne auch. „Er war regungslos. Ich habe den Puls kontrolliert, um zu schauen, ob er noch lebt“, beschreibt ein Zeuge. Er ist sich sicher: Der Mann, der jetzt auf der Anklagebank sitzt, ist in jener Nacht ohne ein Wort auf das unbeteiligte Opfer zugegangen, hat ihn zu Boden geschlagen und ihm einen Tritt gegen den Kopf versetzt. „Er hat hingetreten, als wäre das ein Fußball“, schildert der Zeuge. Ob es wirklich der Angeklagte war, oder ob er gar selbst Opfer einer Gewalthandlung in dieser Nacht im Februar war, wie er behauptet, bleibt bis zum Schluss der Verhandlung offen. Denn die Angaben der beteiligten Personen sind sehr widersprüchlich.

Der Angeklagte spricht von mehreren Männern, die auf ihn losgegangen seien, der Mann sei schon am Boden gelegen, als er ihn gesehen habe. Die Freundin des Angeklagten bestätigt das. Der erste Zeuge will sie aber nicht einmal im Raum gesehen haben. Die Freundin und der Angeklagte sagen, sie kennen den Zeugen gut, dieser sagt er kenne die beiden kaum. Einen Zwillingsbruder hat der Zeuge zufällig auch noch, der hat mit der Sache aber nichts zu tun. Ein weiterer Zeuge erscheint nicht. Der Richter vertagt letztendlich die Verhandlung, auch weil der Verteidiger ein Gutachten der Gerichtsmedizin beantragt. Bei den beschriebenen Gewalthandlungen hätten die Verletzungen des Opfers schlimmer sein müssen, meint er. Was wirklich in der Disco passiert ist, bleibt vorerst ungeklärt.