Schüsse vor Absdorfer Lokal. Zwei Männer und eine Frau soll ein 54-Jähriger bedroht beziehungsweise angegriffen haben. Schuldig bekennt er sich nicht.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 18. November 2020 (04:00)
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Schüsse an einem Abend im Sommer, eine eingeschlagene Scheibe, Blutspuren und Besuch von der Polizei am nächsten Morgen – das Lokal „Halli-Hallo“ in Absdorf stand Ende Juli im Zentrum einiger Aufregung. Verletzt hat sich niemand, außer der Angeklagte, der nun vor Gericht steht, und zwar wegen gefährlicher Drohung in mehreren Fällen, Körperverletzung und Sachbeschädigung.

Laut Zeugenaussage soll sich die Sache so ereignet haben: 21 Uhr, Coronasperrstunde. Der Lokalbesitzer ist mit einem letzten Gast im Gastgarten und will schließen. Der Beschuldigte, der mit einer Freundin unterwegs ist, fragt über den Zaun nach etwas zu trinken. Er hat zu dem Zeitpunkt bereits Lokalverbot, weil er mehrmals Gäste beschimpft haben soll. Der Wirt verweigert ihm das Getränk. Daraufhin soll der Angeklagte ausfällig geworden und gegangen sein und dabei zum Lokalbesitzer gesagt haben: „I geh jetzt ham und dann daschiaß i di.“

„Ich komme mir vor wie ein Opfer. Ich fühle mich verfolgt auf der Straße.“ Der Angeklagte

Kurz darauf hört ein Mann, der in der Wohnung über dem Lokal wohnt, zwei Schüsse vom Parkplatz gegenüber und will gesehen haben, wie der Angeklagte weglief. Der bestreitet das. Der Lokalbesitzer und er hätten aufeinander geschimpft, gedroht habe er aber nicht und geschossen schon gar nicht. Er habe ja nicht einmal diese Schreckschusspistole, die eine weitere Zeugin bei ihm gesehen haben will. Auch der Lokalbesitzer hört die Schüsse, die ins Leere gehen. Das Ende der Geschichte ist das jedenfalls nicht. Am nächsten Morgen ist eine Scheibe eingeschlagen, an der Stelle und auch im Türbereich des Lokals sind Blutspuren.

Pfefferspray-Attacke auf ehemalige Freundin

Die Polizei kommt und befragt den Angeklagten, dessen Hand zu dem Zeitpunkt blutet. Er soll dabei nicht ganz nüchtern gewesen sein. Die Freundin des Angeklagten, die am Abend zuvor dabei war, sagt zugunsten des 54-Jährigen aus. Der Richter bezeichnet ihre Aussage aber als unglaubwürdig im Vergleich zu den anderen Zeugen.

Ein Monat später soll der Beschuldigte dann dem Mann, der über dem Lokal wohnt, am Zigarettenautomaten gedroht haben, dass er ihn umbringt. Schuldig bekennt er sich auch dazu nicht. „Ich kann mir nur vorstellen, dass er mich anschwärzen will“, sagt er zu den Vorwürfen. „In Absdorf werde ich ja als Psychopath beschimpft.“

Einen Psychopathen nennt ihn eine weitere Betroffene nicht, erzählt aber, er habe sie immer wieder in Nachrichten bedroht, seit sie ihre Freundschaft zu ihm wegen seines Alkoholproblems beendete.

Der Frau soll er im September ohne Anlass im Vorbeigehen Pfefferspray ins Gesicht gesprüht haben. Das gibt er zu, sagt aber, er habe sich dabei gegen einen Angriff von ihr gewehrt. Der Freund der Zeugin, der bei dem Vorfall dabei war, bezeugt, dass das nicht stimmt. Er ist eben jener Mann, der in der Wohnung über dem Lokal wohnt, das der Beschuldigte mutmaßlich beschädigt hat. Die Frau will Schmerzensgeld, zahlen will das der Angeklagte nicht. „Ich komme mir vor wie ein Opfer. Ich fühle mich verfolgt auf der Straße und fürchte, dass da immer jemand auftaucht, der mich anschwärzen will“, sagt der Angeklagte. Er habe deshalb einen Pfefferspray, weil er selbst bedroht werde, auch von der Frau.

Das überzeugt den Richter nicht. Er spricht den Mann schuldig und ordnet Bewährungshilfe an. Er bekommt eine viermonatige bedingte Freiheitsstrafe mit einer Probezeit von drei Jahren und muss der Frau 100 Euro Schmerzensgeld zahlen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.