Bezirk Tulln: „Wir haben noch alles im Griff“ . Bezirkshauptmannschaft sieht keinen Grund zur Panik. Bürgermeister Eisenschenk ist nach Fall in der Familie in Quarantäne.

Von Claudia Wagner und Christoph Hornstein. Erstellt am 27. Oktober 2020 (17:30)
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„Sehr hohes Risiko“. Von vier möglichen Gefahrenstufen der Corona-Ampel ist Rot die höchste. Seit Freitag der Vorwoche hat es den Bezirk Tulln getroffen: Das Licht steht auf Rot. Bezirkshauptmann Andreas Riemer: „Es gibt keinen Grund zur Panik. Wir haben noch alles im Griff.“

Befindet sich in zehntägiger Quarantäne: Tullns Bürgermeister Peter Eisenschenk.
Thomas Peischl

Hotspot ist Klosterneuburg (rund 27.000 Einwohner): Mit 75 Fällen (Stand Montag, 26. Oktober) führt die Babenbergerstadt die Liste der positiv Getesteten an, gefolgt von der Stadt Tulln mit 45 (rund 19.000 Einwohner). Für die Bezirkshauptmannschaft, die das sogenannte „Contact tracing“ durchführt und somit durch die Nachverfolgung die Wege der Verbreitung des Virus nachvollziehen kann, liegt der Hauptgrund der gestiegenen Fallzahlen im privaten Bereich. „Der überwiegende Teil der Bevölkerung hält sich an die Covid-19-Regeln. Auch mit der Gastronomie gibt es keine Probleme“, so der Bezirkshauptmann. Hier werde seit Wochen intensiv kontrolliert. Riemer: „Meines Wissens gab es in der Gastronomie keine einzige Anzeige.“

Im Privatbereich habe man, so Riemer, keine Handhabe: „Da kann man behördlich nichts tun, außer an die Eigenverantwortung der Menschen zu appellieren. Dass es zu privaten Zusammenkünften kommt und zu Hause gefeiert wird, ist für mich aber menschlich verständlich.“

„Phänomenale“ Arbeit der Behörde

Dass die Kontaktverfolgung die Bezirkshauptmannschaft an die Grenzen ihrer Arbeitskapazität bringt, ist Fakt. Aber mit zusätzlicher Hilfe lässt sich die Kontaktnachverfolgung umfassend aufrechterhalten. „Was meine Leute im Amt leisten, ist phänomenal. Sorgen macht uns allen das exponentielle Wachstum. Da könnte es schon passieren, dass auch wir an unsere Grenzen stoßen“, so Bezirkshauptmann Riemer.

„Wir sehen leider in unserer Stadt ebenso einen Anstieg der Zahlen an Infizierten wie in ganz Österreich. Es ist der traurige Beweis für die Hartnäckigkeit des Virus“, zeigt sich Klosterneuburgs Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager betroffen. Ein deutliches Plus verzeichnet auch die Bezirkshauptstadt: In nur vier Tagen ist die Fallzahl um 20 Prozent gestiegen (von 37 auf 45).

Persönlich betroffen ist Tullns Stadtchef: Er ist in zehntägiger Quarantäne, nachdem sein Sohn positiv getestet wurde. „Er hat am Samstag einen Schnelltest gemacht, nachdem jemand in seiner Klasse positiv war“, erzählt der Bürgermeister. Die Ansteckung in der Schule bleibt leider kein Einzelfall – die Handelsakademie bilanziert mittlerweile sechs positiv Getestete. Der Direktor und Bürgermeister ist – ebenso wie Frau und Tochter – negativ und symptomfrei, der Junior ist in einer Wohnung abgesondert.

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