Erste Bank sperrt Filiale in Reidling zu. Der Unmut unter Teilen der Bevölkerung über die für Ende März bevorstehende Schließung ist groß.

Von Doris Firmkranz. Erstellt am 03. März 2021 (04:12)
Die Erste Bank in Reidling wird mit Ende März geschlossen. Ab 1. April müssen die Kunden ihre Betreuer in der neu umgebauten Filiale in Atzenbrugg aufsuchen.
Baumgartner

Zwar hatte es im Vorfeld Gerüchte um eine mögliche Verlegung in die neu umgebaute Erste-Filiale Atzenbrugg gegeben, so richtig daran glauben konnte/wollte jedoch niemand. Jetzt besteht traurige Gewissheit: Die Filiale in Reidling sperrt mit Ende März zu.

Der Schock sitzt tief. Viele, vor allem ältere Gemeindebürger, die nicht über die Möglichkeit zum E-Banking verfügen, müssen jetzt ins neun Kilometer entfernte Atzenbrugg ausweichen.

„Viele können es gar nicht erwarten, die Filiale in Atzenbrugg aufzusuchen.“ Gabriele Mandl, Filialleitung

Der Unmut über die für viele überraschende Schließung ist groß. Senioren fühlen sich überrollt, und manchen stößt sauer auf, dass ein Schreiben der Erste Bank, in dem lapidar und in kurzen Worten die Schließung der Filiale bekannt gegeben wird, so kurz vor der Übersiedlung eintraf.

Gabriele Mandl, Filialleiterin für das gesamte Tullnerfeld, wundert sich, dass die Schließung in Reidling für viele so überraschend gekommen ist: „Mindestens fünf Jahre ist das schon im Gespräch. Die meisten freuen sich darüber und können es gar nicht erwarten, unsere Filiale in Atzenbrugg zu besuchen. Diese ist weitaus größer, was ja angesichts der derzeit geltenden Abstandsregeln ein nicht unwesentlicher Vorteil ist und dadurch mehr Sicherheit garantiert werden kann. In der Reidlinger Niederlassung konnten sich nicht mehr als zwei Kunden gleichzeitig aufhalten.“

Altbürgermeister Franz Redl lässt in einem Offenen Brief an seinen Nachfolger und Parteikollegen Christoph Weber seiner Wut freien Lauf. „Unverständlich, problematisch, paradox!“, so seine Worte.

Redl vermisst die Miteinbeziehung der Bevölkerung in die Entscheidung: „Wenn ich mich zurückerinnere, wurden zu weniger dramatischen Themen seinerzeit öffentliche Veranstaltungen abgehalten.“

„Wenn ich mich zurückerinnere, wurden zu weniger dramatischen Themen seinerzeit öffentliche Veranstaltungen abgehalten.“

Gründe für die Gemeinde, für den Verbleib zu kämpfen, gäbe es seiner Meinung nach reichlich: Im Herbst eröffnet die BVAEB ihr Gesundheitszentrum, es werden aktuell wieder neue Wohnungen gebaut, die Bevölkerung wächst und potenzielle Neukunden sind am Markt.

Bürgermeister Christoph Weber sieht die Situation „entspannt“: „Die Entscheidung lag letztendlich bei der Erste Bank als privatwirtschaftliches Unternehmen. Wir werden uns dafür einsetzen, dass wenigstens die Bankomaten im Ort verbleiben.“

„Die Entscheidung lag letztendlich bei der Erste Bank als privatwirtschaftliches Unternehmen"

Vor Kurzem meldete sich auch die Raiffeisenkasse Heiligen-eich/Sitzenberg-Reidling in einem Offenen Brief zu Wort, in dem sie Gerüchte rund um eine Schließung ihrer örtlichen Filiale entkräftet. Darin heißt es: „Wir müssten lügen, in den letzten Jahren nicht darüber nachgedacht zu haben, die Bankstelle in Sitzenberg zu schließen. Wir können aber den Grund verstehen, warum immer mehr Filialen geschlossen werden. Der Kostendruck wird zu groß und die gesetzlichen Rahmenbedingungen immer schlimmer. Manche Umstände lassen keine Chance zu, sich der Veränderung zu entziehen.“

Für die Ängste und Sorgen der Bevölkerung hat Gabriele Mandl Verständnis. „Der Mensch steht im Vordergrund“, so ihre Maxime. Gespart werden würde lediglich an den Betriebskosten, nicht am Kunden. Unter anderem werden ausgedehnte Öffnungszeiten, persönliche Besuche vor Ort und Abholung von Zuhause zu den Eckpunkten eines verbesserten intensiven Services gehören.

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