Anrainerprotest gegen Nebengebäude: Zu groß und auf Nachbargrund?

Erstellt am 18. Mai 2022 | 04:51
Lesezeit: 3 Min
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Ein Bau am Nibelungenring sorgt bei den Anrainern für Unmut.
Foto: Wagner
Besitzer von Haus am Nibelungenring in St. Andrä-Wördern kontert: Baubewilligung liegt vor, außerdem gäbe es einen Überbau von 25 Zentimeter – auf seinen Grund und nicht umgekehrt.
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Das Gesetz sieht für ein Nebengebäude eine bebaute Fläche bis zu 100 Quadratmeter vor. Diese Obergrenze werde bei einem Rohbau am Nibelungenring aber weit überschritten, prangert die benachbarte Familie Hartel an. Außerdem deute vieles auf eine künftige Verwendung als Aufenthaltsraum hin, was ebenso nicht gesetzeskonform wäre.

Im Einreichplan, so rechnet der Anrainer vor, ist das Gebäude, das als Abstellraum und Garage definiert ist, mit 163,33 Quadratmeter eingezeichnet – „sichtlich im Unwissen, dass laut NÖ Bauordnung §4/15 die Größe von Nebengebäuden nur 100 Quadratmeter betragen darf“, ärgert sich der St. Andrä-Wörderner.

„Das Gesetz muss eingehalten werden!“

Dass gebaut wird, störe den Anrainer nicht – aber: „Das Gesetz muss eingehalten werden!“ Und hier sieht er grobe Unstimmigkeiten: „Die Baubehörde St. Andrä-Wördern schickte den Einreichungsplan an die Nachbarn aus, aber negierte deren rechtzeitige, schriftliche Einwände und antwortete mit dem baubehördlichen Bewilligungsbescheid.“

Das war vor Monaten, mittlerweile steht der Rohbau. Und auch der stößt den Anrainern sauer auf: „Er wurde laservermessen um einige Prozent ,Toleranz‘ auf etwa 165 Quadratmeter vergrößert und befindet sich bis zu sechs Zentimeter auf Nachbargrund.“

Ein weiterer Vorwurf: Auch das Hauptgebäude wird adaptiert, Nachbarn vermuten nun, dass auch hier die erlaubte Obergrenze – in diesem Fall 400 Quadratmeter – überschritten wird.

„Wir haben die Gemeinde und das Bezirksbauamt in Tulln um ,Baubehördliche Überprüfung‘ ersucht“, erzählt der Anrainer, „seit der Begehung seitens der Gemeinde Anfang März ruht das Bauvorhaben abgesehen von Installationen sichtlich.“

Was nun weiter passiert, weiß der St. Andrä-Wörderner nicht. Sicher ist für Hartel aber: „Ich werde mich weiter dafür einsetzen, dass die rechtlichen Bedingungen eingehalten werden.“

Konter: „Sind im Rahmen der Baubewilligung“

Oder ist das bereits der Fall? Dass das Bauprojekt die Wogen hochgehen lässt, bedauert der Besitzer: „Die Emotionalisierung tut mir persönlich sehr leid. Wir waren immer um ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis bemüht und sind das auch weiterhin.“

Gleichzeitig wehrt er sich gegen die „Anpatzerei“ und betont: „Sowohl Neben- als auch Hauptgebäude werden im Sinne der vorliegenden Baubewilligung gebaut.“ Seitens der Anrainer habe es keine Rechtsmittel – sprich keine Berufung – gegen diese gegeben, so der Nachbar: „Damit ist die Baubewilligung rechtens und wir bewegen uns in ihrem Rahmen.“

Außerdem stellt der Besitzer klar: „Die Überschreitung straßenseitig wurde – in einem Bereich von fünf Metern – von einem Vermesser mit maximal einem Zentimeter über der Kataster-Toleranz festgestellt. Der zweite Vermesser hat keine Überbauung, also null Zentimeter, festgestellt.“

Sehr wohl habe die Prüfung aber im hinteren Bereich eine Überbauung auf sein Grundstück dokumentiert, meint der Besitzer: „Der Vermesser hat eine Überragung der Nachbarn uns gegenüber festgestellt, und zwar um 20 bis 25 Zentimeter.“

Wer behält im Nachbarschaftsstreit recht? Damit beschäftigt sich gerade die Gemeinde. „Das ist von uns und einem zweiten Geometer vermessen worden und liegt derzeit bei der Behörde“, bestätigt Bürgermeister Maximilian Titz (ÖVP). Ergebnisse dieser Überprüfung gäbe es aber noch nicht.

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