St. Andrä-Wördern

Erstellt am 26. Oktober 2016, 05:00

von Doris Firmkranz und Thomas Peischl

Flüchtlingsquartier: Späte Infos sorgen für Irritation. Verein menschen.leben sprach vor Ort über das Unterkunftsprojekt. Alfred Kögl (Bürgerliste) kritisiert Auftreten.

Gemeindeamt St. Andrä-Wördern  |  NOEN, Otto Sibera

Wie die NÖN letzte Woche ausführlich berichtete sind in der Marktgemeinde heiße Diskussionen rund um eine geplante Unterkunft für minderjährige männliche Flüchtlinge entbrannt. Jetzt trat der Projektbetreiber – der Verein menschen.leben – mit einem kurzfristig anberaumten Info-Treffen auf den Plan.

Kögl: „Jetzt wissen wir zumindest ein bisserl mehr"

Geschäftsführender Gemeinderat Alfred Kögl (Bürgerliste) war dabei und zieht Bilanz: „Jetzt wissen wir zumindest ein bisserl mehr. Schon Anfang November sollen vorerst zehn unbegleitete männliche Jugendliche in das Haus einziehen“, berichtet Kögl. Zwei Notbetten sollen vorerst frei bleiben. Was Kögl aber nach wie vor missfällt ist, dass der Vereinsvertreter, Bernhard Ruzicka, sehr arrogant aufgetreten sei: „Das lief nach dem Motto: Eigentlich müssten wir ja gar nicht informieren.“ Aber wenn der Verein tatsächlich 95 Euro pro Flüchtling und Tag kassiere, was bei einer Vollbelegung mehr als 30.000 Euro im Monat entspreche, dann erwarte er sich halt schon etwas mehr Information und Aufklärung.

„Arrogantes Auftreten und mangelhafte Information erzeugen nur unnötige Verunsicherung.“

Geschäftsführender Gemeinderat Alfred Kögl (Bürgerliste)

Jörg Trobolowitsch, Pressesprecher von menschen.leben, klärt auf: „Wir sind ein gemeinnütziger Verein, der seit dem Jahr 2006 besteht und im Non-Profit Bereich angesiedelt ist. Wir agieren auf Bundesebene schwerpunktmäßig in den Bereichen Integration/Bildung/Sprache, Asyl, Frauenarbeit, psychologische Betreuung sowie Jugendarbeit.“

Bezüglich des St. Andrä-Wörderner Projektes hätte alles seinen rechtmäßigen Verlauf genommen. Der Verein hat – aufgrund der bestehenden Kooperation – wie üblich den Auftrag von der NÖ Landesregierung erhalten und daraufhin das Objekt in der Dammstraße angemietet.

Das Geld, das der Verein für die ihm zugewiesenen Flüchtlinge vom Land Niederösterreich bekommt, werde dazu verwendet, laufende Kosten, wie Miete sowie Adaptierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen zu finanzieren. Der Großteil gehe jedoch für Integrationsmaßnahmen und für die Betreuung durch ein multiprofessionales Team vor Ort auf. „Dabei gibt es strikte Vorgaben“, betont Trobolowitsch.

Im Verein zeigt man Verständnis für die anfängliche Skepsis in der Gemeinde, möchte jedoch sämtliche Bedenken ausräumen. Trobolowitsch: „Die jugendlichen Flüchtlinge, die bis spätestens Mitte November eintreffen, stehen dann Tag und Nacht rund um die Uhr in Betreuung.“