Kritik an Rodungen im Erholungsgebiet. St. Andrä-Wördern: Verbund schlägert entlang der Spazierwege auf eine Baumlänge. Gezielte Bepflanzung soll forciert werden.

Von Otto Sibera. Erstellt am 18. Februar 2021 (05:51)
Umweltgemeinderat Harald Sattmann und Vizebürgermeisterin Ulrike Fischer überzeugten sich vor Ort von den Schlägerungen entlang der Wege im Augebiet. Foto: Sibera
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Nachdem der Verbund über die Baumfällungen im Augebiet zwischen dem Donaukraftwerk und dem Altarm informierte – die NÖN berichtete – machten sich die Vizebürgermeisterin Ulrike Fischer und der Umweltgemeinderat Harald Sattmann ein Bild bei einer Begehung vor Ort — ist doch das Augebiet rund um den Altarm ein Erholungsgebiet für Jung und Alt.

Der Auweg wird von vielen Spaziergängern und Läufern genützt und dient im Sommer als Schattenspender, „ganz zu schweigen von den Tieren, die durch die Abholzung gestört werden und ihre Lebensgrundlage verlieren. Gerade in Zeiten des Klimawandels und Hitzewellen ist ein sensibles Vorgehen im Erholungsgebiet ein Gebot der Stunde. Die Au leistet einen unschätzbaren und vielfältigen Wert zur Lebensqualität: frei zugängliches Erholungsgebiet für alle.“

Im Zusammenspiel mit dem Altarm als Erholungsgebiet und dem Donauradweg ist die Au das entscheidende Bindeglied. Die Filterwirkung für Luftschadstoffe ist ein wesentlicher Faktor. Hinzu kommt die immer wichtiger werdende Klimawirkung der Au durch Verdunstung und Kühlung.

Besserer Schutz für Flora und Fauna

„Ja, es besteht beim Eschentriebsterben laufender Handlungsbedarf. Die Wegehalterhaftung führt dazu, dass entlang der Spazierwege auf eine Baumlänge gefällt wird. Im Sinne der Nachhaltigkeit wäre eine Einzelstammaussonderung besser, also wenn nur einzelne kranke Bäume gefällt würden“, so die Grünen. Die Arbeiten durch den Harvester, wie sie derzeit durchgeführt werden, sind jedoch wirtschaftlicher.

Vizebürgermeisterin Ulli Fischer meint dazu: ,,Ein Naturschutzgebiet der Au-Landschaft, so wie in Stockerau, sollte das Ziel sein. Damit könnten Fauna und Flora besser geschützt werden. Die durchgeführten Schlägerungen führen zu kahlen Flächen. Durch eine gezielte Bepflanzung von Linden, Kastanien und Weiden und anderen Au-spezifischem Bewuchs, könnte verhindert werden, dass Neophyten sich schneller ausbreiten.“

,,Ein Naturschutzgebiet der Au-Landschaft, so wie in Stockerau, sollte das Ziel sein"

Als Eigentümer ist der Verbund ein Unternehmen, das auch einen Profit erwirtschaften muss. „Wobei es in diesem Fall vermutlich nur darum geht, den finanziellen Schaden zu minimieren.“ Der Holzpreis ist durch den Befall des Borkenkäfers und den Pilzbefall der Esche bereits seit Jahren im Keller. Die vielen vom Pilz befallenen Eschen müssen deshalb auch geschlägert werden. Es gebe jedoch Eschen, die widerstandsfähiger sind. Diese werden vielerorts neu gepflanzt.

Dies und die Errichtung eines weiteren Naturschutzgebietes soll Mithilfe der zuständigen Stellen gemeinsam mit dem Eigentümer umgesetzt werden. Der Umweltgemeinderat Harald Sattmann ergänzt: „Ein Forschungsprojekt der Universität für Bodenkultur Wien beschäftigt sich mit der Zucht und Selektion von widerstandfähigeren Eschen. Diese könnten im Rahmen des Projektes hier in einem Freilandversuch ausgesetzt werden. Das Projekt läuft noch bis 2024. Dies kann jedoch nur im Konsens erreicht werden.“