Nach Zusammenlegung: „Nicht alle Herzen sind gewonnen“. Wienerwaldgemeinden stehen der Zusammenlegung bis heute mitunter noch kritisch gegenüber.

Von David Ulrich. Erstellt am 22. April 2021 (03:20)
Bei der Verabschiedung von Altbürgermeister Franz Pasruck im Gemeindeamt St. Andrä-Wördern. Pasruck war Bürgermeister der Marktgemeinde von 1972 bis 1988.
staw.topothek.at/Karl Maier, staw.topothek.at/Karl Maier

1972 wurden St. Andrä v. d. Hagenthale, Wördern, Greifenstein, Altenberg, Hadersfeld, Hintersdorf und Kirchbach zur Großgemeinde St. Andrä-Wördern. Unter ihnen waren Greifenstein, Altenberg und Hadersfeld Pioniere, da sie sich bereits 1967 zur Gemeinde Greifenstein zusammengelegt hatten. Vorbereitet wurde die Reform von Franz Pasruck (SPÖ), dem ehemaligen Bürgermeister von Wördern. Er fungierte als Regierungskommissär und wurde von acht Beiräten - jeweils vier von SPÖ und ÖVP - unterstützt. Nach der ersten Gemeinderatswahl der Großgemeinde wurde er Bürgermeister von St. Andrä-Wördern und blieb bis 1988 im Amt.

Laut geschäftsführendem Gemeinderat Wolfgang Seidl (ÖVP) habe es anfangs kritische Stimmen gegenüber der Zusammenlegung gegeben: „Die Katastralgemeinden im Wienerwald haben sich nicht darüber gefreut, dass sie ihre Eigenständigkeit verloren haben.“ So hätten sie etwa noch ihre Beleuchtung aufgestockt, bevor ihr Geld 1972 in die gemeinsame Kasse floss.

„Die Hadersfelder sind noch immer Hadersfelder.“ Bürgermeister Maximilian Titz

Diese Einstellung habe sich jedoch „sicher geändert“ und es „gibt keine Rivalitäten in dem Sinne“, so Seidl. Das komme unter anderem wohl auch daher, dass die Synergieeffekte der Zusammenlegung auch zu einer Verbesserung der Infrastruktur führten.

Übergangsperiode „relativ konfliktfrei“

Obersekretär Peter Ohnewas: „Rein gefühlsmäßig haben die kleineren Gemeinden mehr davon profitiert. Selbst die kleinste Gemeinde – Hadersfeld – wurde dann an den Kanal angeschlossen.“ Ein Gesamtkonzept zu Kanalsystem, Wasserleitung und Müllabfuhr wurde in den Jahren nach dem Entstehen der Großgemeinde erstellt. Schlussendlich verlief die Übergangsperiode laut Ohnewas jedoch „relativ konfliktfrei“.

Auch geschäftsführender Gemeinderat Alfred Stachelberger (SPÖ) ist sich sicher, dass „die kleineren Orte zweifellos profitieren“ konnten. Zum Beispiel könne er sich nicht vorstellen, dass Altenberg ohne dieser Reform einen eigenen Kindergarten bekommen hätte. Die kleineren Gemeinden leisteten wiederum durch Flächenbesitz einen Beitrag zum Gemeindebudget.

Die Mehrzahl der Bürger hätten die Entwicklung damals ebenfalls positiv gesehen: „Es war eine gewisse Aufbruchsstimmung da“, sagt Stachelberger.

Zur heutigen Situation der Bürger der Großgemeinde St. Andrä-Wördern meint Bürgermeister Maximilian Titz (ÖVP): „Heute ist alles gut zusammengewachsen. Die alten Traditionen sind aber noch da.“ Hier stimmen ihm Seidl, Stachelberger und Ohnewas zu: „Die Hadersfelder sind immer noch Hadersfelder.“

Das Gleiche gelte für alle Teile der Großgemeinde. Stachelberger ergänzt: „Es ist nicht gelungen, die Herzen der Leute zu gewinnen. Das Wirtschaftliche ist positiv, aber das Verbindende hat nicht Schritt gehalten.“

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