Tullner Nibelungenplatz soll autofrei werden. Bürgermeister Eisenschenk (TVP) strebt Grundsatzbeschluss zur Neugestaltung des Nibelungenplatzes an. Andere Fraktionen zeigen sich zurückhaltend bis sehr kritisch.

Von Thomas Peischl. Update am 04. Dezember 2020 (13:59)
Der Nibelungenplatz am frühen Montagnachmittag zur Lockdown-Zeit: Einzelne Parkplätze sind frei, aber die Auslastung ist trotzdem hoch. Ersatz-Parkflächen sind ein Teil des „Grüner Platz“-Konzeptes, der noch geklärt werden muss.
Peischl

Schon im Zuge der Bürgerbeteiligung zur „Tulln Strategie 2030“ hatte Bürgermeister Peter Eisenschenk (TVP) eine mögliche Neugestaltung des Nibelungenplatzes als „Grüner Platz“ als Lieblingsprojekt deklariert (die NÖN berichtete). Jetzt wird er konkreter und strebt einen Grundsatzbeschluss zur Umsetzung an.

Gartenhauptstadt mit André-Heller-Effekt

„Klimaexperten empfehlen dringend, solche Asphaltwüsten zu entsiegeln. Wir hoffen, dass möglichst viele Gemeinderäte für das Ziel stimmen, dass Tulln mit einem klimafitten grünen Platz im Zentrum erneut Trends setzen soll“, sagt Eisenschenk. Mit der Neugestaltung des Platzes würde außerdem die Donaulände noch näher an den Stadtkern heranrücken, was wiederum Tullns Selbstverständnis als Gartenhauptstadt gerecht werde. „Und was die wunderbare Gestaltung angeht, so sind mir mit niemand Geringerem als André Heller im Gedankenaustausch“, freut sich Eisenschenk.

Ein grüner, autofreier Platz wäre naturgemäß auch ganz im Sinne der Tullner Grünen - mit einem deutlichen „aber“, denn, so Vizebürgermeister Rainer Patzl: „Die in den Raum gestellten 4 Millionen Euro sind viel zu hoch. Um das halbe Geld kann man sicherlich denselben Effekt für die Umwelt erzielen und um die andere Hälfte noch sehr viele Dächer und Fassaden begrünen.“

Es müsse ja nicht unbedingt ein Heller-Garten werden. Was Ersatzparkflächen betrifft, so vermutet Patzl: „Ein Drittel muss man gar nicht ersetzen, denn Angebot schafft immer auch Nachfrage.“

SPÖ-Stadtrat Hubert Herzog sieht das Projekt „in der derzeitigen Situation eher kritisch“, will sich aber noch nicht festlegen: „Wir werden das bis zur Gemeinderatssitzung noch ausführlich in der Fraktion besprechen.“

Deutliche Worte, die keinen Spielraum für Interpretation lassen, findet Stadtrat Michael Hanzl (TOP): „Ganz ehrlich: In einer Zeit, in der die Wirtschaft mit dem Rücken zur Wand steht und in der die Arbeitslosigkeit neue Rekordwerte erreicht, ist das kompletter Irrsinn!“

TOP will junge Künstler ins Projekt einbinden

Ja, man könne den Nibelungenplatz besser und grüner gestalten, „aber sicher nicht mit einem André-Heller-Park um vier Millionen Euro!“ Auch mit 500.000 Euro wäre hier von mehr Bäumen bis zu kreativer Gestaltung („Warum nicht von jungen Künstlern?“) sehr viel möglich. „Und die restlichen 3,5 Millionen könnte man endlich einmal in die Katastralgemeinden und Stadtrandgegenden pumpen“, fordert Hanzl.

Von einem Irrsinnsprojekt spricht auch Gemeinderat Andreas Bors (FPÖ): „Dieses sündteure ÖVP-Prestigeobjekt würde über 200 wichtige Innenstadtparkplätze vernichten. Wenn ich daran denke, stellt es mir die Haare auf!“ Diese Abstellplätze wären für viele Bedienstete und Bürger, die ins Rathaus, zum Finanzamt, zum AMS oder zur Polizei wollen, sehr wichtig und müssten daher „in höchstmöglicher Anzahl erhalten werden.“

Last but not least ist Gemeinderat Herbert Schmied (NEOS) „prinzipiell dafür, etwas aus dem Platz zu machen, denn ein derartiges Projekt hat auch Vorbildwirkung für den privaten Bereich“. Seine Zustimmung macht er von der konkreten Planung abhängig. „Wenn es rein um Klimaziele geht, ist mit vier Millionen Euro mehr möglich, als nur alles in einen einzigen Platz zu stecken“, betont Schmied. Er plädiert für einen pragmatischeren Zugang, der ein vielseitiges Mischnutzungskonzept und keinen reinen Schaugarten-Park vorsieht.

André Heller verdient keinen Cent

Nach Erscheinen dieses Artikels in der Print-Ausgabe meldete sich Künstler André Heller in der Sache zu Wort. Das leicht überspitzt formulierte Zitat „André-Heller-Park um 4 Millionen Euro“ könnte nur allzu leicht missverstanden werden. Tatsache sei aber, dass er in Zusammenhang mit dem „Grünen Platz“ weder Geld verrechne noch in irgendeiner Weise profitiere. „Ich bin mit meinen anderen Projekten mehr als ausgelastet“, betont Heller. Er habe hier höchstens im Zuge des Klimadialogs und aus Sympathie seine Gedanken zur Verfügung stellt.

Umfrage beendet

  • Seid ihr für einen autofreien Nibelungenplatz in Tulln?