"Horsenapping" aus Frust?. Ehemalige Besitzerin wollte Stute nach 15.000-Euro-Verkauf zurück – und griff zur Selbsthilfe: Sie holte das Tier kurzerhand eigenmächtig aus einem fremden Stall.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 16. September 2014 (05:23)
NOEN, privat

15.000 Euro hat ein 17-jähriger Stockerauer mit seinen Eltern im November 2013 für ein Pferd hingeblättert. Doch seit Juli kann der Teenager seine 10-jährige Stute nicht mehr sehen – die Ex-Besitzerin hat sie von ihrem neuen Zuhause in Stettenhof in einer Nacht- und Nebelaktion wieder abgeholt.

Seit dem Jahr 2011 ritt der junge Stockerauer auf dem Pferd „Felicite“, das auf einem Gestüt im Bezirk Korneuburg eingestellt war und im Besitz der dortigen Chefin war. Am 5. November 2013 wurde ein Kaufvertrag geschlossen. Drei Tage später kehrte der neue Besitzer dem Gestüt den Rücken.

Die ehemalige Besitzerin behauptete, arglistig getäuscht worden zu sein und klagte.

Im Mai wurde ihre Klage auf Vertragsaufhebung und entgangene Einstellgebühr am Landesgericht Korneuburg abgewiesen.

Zwei Monate später griff die „Pferdeflüsterin“ zur Selbsthilfe. Am 30. Juli erfuhr der Stockerauer per Mail, dass sie das Pferd aus Stettenhof abgeholt und er keinen Zutritt zu ihrem Gestüt - und damit zu Felicite - habe.

Richterin versuchte zu vermitteln

Eine einstweilige Verfügung wurde im August mit der Begründung abgelehnt, dass für das Pferd keine Gefahr bestehe. Am 8. September wurde das Urteil rechtskräftig. Am vergangenen Freitag fand eine weitere Verhandlung am Bezirksgericht Tulln statt. Der Stockerauer klagte auf Besitzstörung. Zudem vermutete er, die Gestüt-Chefin hätte aus Frust gehandelt, da es in dieser Zeit mehrere Austritte gegeben hätte.

Ursula Heber, Anwältin des 17-Jährigen: „Das Pferd ist ohne Recht abgeholt worden.“

Richterin Maria Cihlar versuchte vergeblich zu vermitteln, räumte aber auch ein, dass die Optik „nicht optimal“ sei, da Felicite nach wenigen Tagen aus dem Gestüt abgezogen wurde.

„Ich bin wirklich getäuscht worden“, beharrte die Gestüt-Chefin. Es sei nicht ums Geld gegangen, vielmehr bestünde ein Nahverhältnis zu dem Pferd.

Die Richterin gab dem Teenager schließlich recht. Dieser muss sich dennoch weiter gedulden, bis er seine Felicite wieder hat – denn das Urteil vom Bezirksgericht Tulln ist noch nicht rechtskräftig.