Bezirk Tulln: Für die Gastro ist es „5 vor 12“. Mit der privaten Initiative „5 vor 12“ soll auf die aktuelle Lage der heimischen Gastronomie aufmerksam gemacht werden.

Von Monika Gutscher. Erstellt am 20. Januar 2021 (04:34)
Christine Maisel und Michl Khantarechian von „Michl’s Cafe“ in Katzelsdorf setzen ein Zeichen für die baldige Wiedereröffnung der Gastronomiebetriebe und wollen mit der Aktion „5 vor 12“ auf die derzeitige Situation aufmerksam machen.
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Auch Karin, Raphael und Karl Haider vom Ollener „Der wilde Wirt“ weisen mit Grablichtern und Schildern auf die derzeitige Lage hin.
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Am Montag, den 18. Jänner, um 11 Uhr setzten Gastronomen demonstrativ ein Zeichen, indem sie ihre Türen öffneten, ohne jedoch an Kunden etwas auszuschenken. Gleichzeitig wurden Plakate aufgehängt , um auf die Aktion „5 vor 12“ aufmerksam zu machen. Dafür wurden, sinnbildlich für die aktuelle Lage der Gastronomie, Grabkerzen in den Auslagen, Fenstern und Türen platziert.

Die private Initiative heimischer Gastronomen, Kaffeesieder und Touristiker setzt damit ein Zeichen für die krisengebeutelte Branche und macht auf die heikle Lage aufmerksam, in der sie sich gerade befindet. Im Jahr 2020 waren die österreichischen Gastronomiebetriebe mindestens vier Monate vom verordneten Lockdown der Bundesregierung betroffen. Auch „Michl’s Cafe“ in Katzelsdorf hatte von den letzten zehn Monaten fünf Monate gesperrt und damit keinen Umsatz und kein Einkommen.

„Nicht jeder kann zum Abholen oder Liefern kochen. Wir sind ein kleines Kaffeehaus und bekommen keine 80% bzw. 50% Umsatzersatz, sondern lediglich den Mindestbetrag in Höhe von 2.300 Euro“, klagt Christine Maisel. Das decke weder die Fixkosten, geschweige denn den Unternehmerlohn. Ihr Geschäftspartner, ein syrischer katholischer Flüchtling mit Sohn, steht praktisch vor dem Nichts. Die 80-jährige Jungunternehmerin wollte mit dem Kaffeehaus ihren Beitrag für Flüchtlingshilfe leisten und für Michl Khantarechian die Möglichkeit bieten, eine neue Existenz aufzubauen. Diese ist nicht mehr vorhanden. „Das ist tragisch!“

„Nicht jeder kann zum Abholen oder Liefern kochen."

Auch für Familie Haider, die erst im September 2019 das Lokal „Der wilde Wirt“ in Ollern eröffnete, ist die derzeitige Situation sehr schwierig. Versprochen wurde zwar eine Fördersumme von 50 Prozent vom Vorjahresumsatz, „im Dezember haben wir allerdings nur 30 Prozent erhalten“, klagt Karl Haider. „Damit werden nicht die Fixkosten von 3.600 Euro brutto für das Lokal und 2.400 Euro brutto für die beiden Mitarbeiter abgedeckt. Wenn wir keine Reserven hätten, müssten wir wieder zusperren“, so Haider. Auch die beiden Mitarbeiter müssen nun in Kurzarbeit geschickt werden.

Aktion „5 vor 12“ fordert sofortige Öffnung

Alle Sicherheitsauflagen wurden sowohl bei „Michl’s Cafe“ als auch bei „Der wilde Wirt“ erfüllt, wie zum Beispiel Mindestabstände können eingehalten werden, Händedesinfektion ist möglich, Trennwände zwischen den Bänken wurden eingezogen und vieles mehr.

Aus diesen Gründen fordern sie mit der Aktion „5 vor 12“ die sofortige Öffnung der Betriebe unter allen vorgegebenen Sicherheitsvorschriften. Sie möchten keine neue Verschiebung der Wiedereröffnung sowie auch keine Kontrolle von Frei-Tests seitens der Gastro-Betriebe.

Die Mindestöffnung soll bis 23 Uhr sein. Weiters wird ein Umsatzersatz von 80 Prozent für den Jänner gefordert. Die Gastronomen setzen mit dieser Aktion ein Zeichen für eine klare Regelung der Mieten für die gesperrten Monate, Planungssicherheit für die Rekrutierung von Mitarbeitern als auch für die Beschaffung/Lieferungen der nötigen Waren.

„Wir wollen keine Unterstützungen, sondern wir wollen arbeiten, unsere Gäste bewirten und ein gemütlicher Treffpunkt sein. Auch unseren Gästen geht unser Kaffeehaus ab, wo man sich gemütlich — natürlich mit Abstand und Desinfektionen — austauschen kann“, sagt Christine Maisel.

„Wir wollen keine Unterstützungen, sondern wir wollen arbeiten, unsere Gäste bewirten und ein gemütlicher Treffpunkt sein"

Karl Haider äußert sich drastischer: „Wir werden mundtot gemacht.“ Facebook und andere öffentliche Medien können zensiert werden, aber wenn man sich im Wirtshaus treffen würde, gibt es keinen Eingriff von außen. Mit der Schließung der Lokale werde die mögliche Organisation von Politikverdrossenen unterbunden.