E-Auto-Experte Matthias Zawichowski aus Tulln: Ein Mann unter Strom

Der Tullner Matthias Zawichowski sprach mit der NÖN über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der E-Mobilität.

Erstellt am 16. Oktober 2021 | 05:28
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Klare Empfehlung von Matthias Zawichowski: „Tanken Sie Strom!“ Der 45-Jährige beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren intensiv mit der Materie. Als Consulter hat er bereits mehr als 300 Unternehmen bei der Fuhrparkumstellung beraten und begleitet. Foto: Peischl
Foto: Peischl

Begonnen hatte alles, wie so oft, ganz anders. Nach seinem Studium gründete Raumplaner Matthias Zawichowski das technische Büro „Im-plan-tat“. Seit 2002 ist er mit dem Unternehmen, das er noch heute leitet auf kommunaler Ebene, aber auch auf Landesebene als Consulter aktiv.

„Vor etwas mehr als zehn Jahren testeten wir einen ersten E-Kastenwagen“, erinnert sich Zawichowski, „das Ding war elektrisch und es ist gefahren, wenn auch nicht sehr weit und, wenn es kalt war, auch nicht immer.“

Trotz Anfangshindernissen sprang der Funke über

Bei einem Planungsauftrag für Verbund und Wien Energie in der Seestadt Wien-Aspern für Tiefgaragen mit mehr als 1.000 Stellplätzen stieß Zawichowskis Appell, gleich eigene Trafos für E-Ladestationen zu integrieren noch auf taube Ohren, sie wurden ohne gebaut.

Aller Anfangshindernisse zum Trotz sprang der Funke über und der Planer entbrannte für das Thema Elektromobilität. 2013 gründete er gemeinsam mit Alex Simader (aus Fels) den Verein „Fahrvergnügen“. Im selben Jahr tourte er mit 45 E-Autos zum Ausprobieren quer durch Österreich. Ein Unterfangen, das Zawichowski gemeinsam mit dem Schweizer Elektromobilitätspionier Louis Palmer plante und umsetzte: „Wir waren auch unter den ersten, die Teslas in Österreich präsentiert haben.“

Sechs Jahre später fand die Tour bereits mit 75 Elektrofahrzeugen statt. Seit 2015 berät Zawichowski auch Unternehmen bei Fuhrparkumstellungen, über die Jahre waren es mehr als 300. Heute ist jedes zweite neu angemeldete Firmenfahrzeug ein E-Auto.

Und wie sieht der Experte die Zukunft? „Carsharing und moderne Batteriekonzepte sind zwei wesentliche Stichwörter“, betont Zawichowski. Mit ersterem können die Stehzeiten minimiert werden: „Heute stehen die meisten Autos 23 Stunden täglich still, wir wollen die Nutzungsdauer auf mindestens zehn Stunden erhöhen.“

Bei Batterien geht es neben technischer Weiterentwicklung auch um das „Second Life Prinzip“: E-Auto-Akkus mit weniger als 80 Prozent Ladekapazität können als Pufferbatterien für Photovoltaik-Anlagen in Häusern eingesetzt werden. Aktuell forscht der Tullner mit dem TU-Projekt „car2flex“ zum effektiven Laden und Entladen.