Tulln 2030: Die Stadt der Zukunft. Experten sammelten 400 Ideen der Tullner. Bürgerbeteiligungsprozess wurde mit der Schlusspräsentation beendet.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 28. Oktober 2020 (04:16)
Bei der Schlusspräsentation der Bürgerbeteiligung: Experte Gernot Stöglehner (Energieraumplanung), Expertin Anita Mayerhofer (Stadtentwicklung), Stadtamtsdirektor Viktor Geyrhofer, Bürgermeister Peter Eisenschenk, Johanna Steinhäusler (nonconform), Experte Matthias Zawichowski (Mobilität), Expertin Agnes Feigl (Stadtgrün) und Moderatorin Julia Puchegger (nonconform).
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„Es ist in dieser Stimmung ganz schwierig einen so wichtigen Prozess mit der Energie zu beenden, den der Prozess grundsätzlich verdienen würde“, gibt Bürgermeister Peter Eisenschenk zu. Die Atmosphäre im Atrium ist gedrückt, in der Hauptstadt des gerade erst rot eingefärbten Bezirks dominiert vergangenen Donnerstag ein Thema: Corona. Und das wird sich auch auf die Stadtentwicklung auswirken.

Wie soll die Stadt der Zukunft aussehen? Dieser Frage liegt ein langer Weg zugrunde. Für die „Tulln Strategie 2030“ wurden zunächst Expertisen zu verschiedenen Themenbereichen erstellt und vorgestellt. Dann waren die Bürger am Wort – sie brachten fast 400 Ideen für die Stadtentwicklung ein, die wiederum von den Experten gesichtet wurden. Vergangene Woche wurden die finalen Fachbeiträge präsentiert.

Wirtschaft, Mobilität, Grün und Innenstadt

Mit dem C-Wort stets im Kopf: „Wenn Sie bedenken, dass derzeit auch in Tulln Betriebe durch Infektionen schließen müssen, wird so klar sichtbar, wie abhängig wir von einer intakten Wirtschaft sind“, betont Eisenschenk, „ohne eine funktionierende Wirtschaft werden wir all das, woran wir uns gewöhnt haben, nicht haben.“ Priorität setzt der Bürgermeister daher darauf, als Stadtgemeinde auch in Zukunft unternehmens- und wirtschaftsfreundlich zu sein. Über die Kommunalsteuer spielt das dann den Finanzen der Stadt in die Karten.

Weitere Schwerpunkte der Stadtentwicklung: Digitalisierung (Tulln-App, Smart Green City, On Demand-Minibusse), Bodenschutz, Innen- vor Außenentwicklung, Entsiegelung (etwa der Fläche um das Rathaus) mit Grün- und Verweilflächen, kurze Wege, Mobilität, Stadtgrün und Klimaneutralität. Wichtig ist ebenso die Drosselung des Bevölkerungswachstums: Mittelfristig soll das Plus maximal bei einem Prozent liegen, langfristig sollen es nur noch 0,5 Prozent sein.

Und: „Zentraler Punkt ist die Stadt des Miteinanders. Es geht darum, nie damit aufzuhören, die Menschen daran zu erinnern, dass es einem selber besser geht, wenn es allen besser geht“, unterstreicht Eisenschenk.

Die im Bürgerbeteiligungsprozess eingebrachten Themen nach Häufigkeit: Mobilität (34 Prozent), Stadtgrün (21 Prozent), Raumplanung (17 Prozent), Wirtschaft (7 Prozent), Energieraumplanung (4 Prozent), Digitalisierung (4 Prozent), CO
-Bilanz (3 Prozent) sowie weitere Themengebiete (10 Prozent).Stadtgemeinde Tulln

Miteinander ist das Stichwort, auch beim Erstellen der Tulln Strategie. Matthias Zawichowski, Experte für Mobilität, bilanziert den Bürgerbeteiligungsprozess: „Es war eine große Vielzahl an Beiträgen, analog und digital, aber vor allem digital. Es hat uns sehr überrascht, dass so viel Interesse bestand und teilweise auch fachlich sehr tiefgehendes Interesse bestand.“

Der Erfolg des Prozesses gibt Aufwind. Auch künftig wird Bürgerbeteiligung eine große Rolle bei der Stadtentwicklung spielen. Und wie geht’s mit den Ideen weiter? Bürgermeister Eisenschenk erklärt die nächsten Schritte: „Das wird alles gesammelt und dann im März wird der Gemeinderat die Tulln Strategie beschließen. Warum der März? Das Entwicklungskonzept muss entsprechend lange aufgelegt werden und wird auch nochmal öffentlich zur Einsicht aufgelegt.“