Bahndamm kann Naturoase werden

Radikal-Mahd sorgte für Aufregung in Tulln. Jetzt könnte ein Gemeinschaftsprojekt eine Neugestaltung bringen.

Erstellt am 20. Oktober 2021 | 04:44
440_0008_8211287_tul42_12_tu_bahndamm_4.jpg
Der Bahndamm in der Nähe des Tullner Hauptbahnhofs nach der letzten Mahd. In einem weiteren Anlauf sollen jetzt doch noch Möglichkeiten für eine naturnähere Gestaltung gefunden werden.
Foto: privat

Die „Gestaltung“ des Bahndammes im Bereich des Tullner Hauptbahnhofs lässt auf einer Länge von rund 600 Metern noch viel Luft nach oben. Das ist ein Ergebnis einer Begehung an der neben Anrainern auch Vertreter von Stadtgemeinde Tulln, ÖBB, „Natur.Garten.Genuss“ und der Vogelschutzorganisation Birdlife teilnahmen.

Anzeige

„Wir haben jetzt die Situation, dass diese Strecke für eine Gartenstadt nicht unbedingt einen schönen Anblick darstellt“, fasst Isolde Lernbass-Wutzl zusammen. Sie engagiert sich u.a. auch regelmäßig am Tullner Umweltstammtisch. Dabei hatte man große Hoffnungen in die Begehung gesetzt. Von einer „vogelfreundlichen Bahndammgestaltung“ sei die Rede gewesen oder auch davon, die Bevölkerung vor Ort für eine gewisse Unordnung der Natur zu sensibilisieren, die für Lebensraum von Tieren und damit die Artenvielfalt wichtig sei. Aber kurz davor wären potenzielle „wilde Ecken“ leider radikal abgemäht worden.„Können alle Beteiligten hier nicht vielleicht doch noch eine Lösung finden, um der Natur Raum zurückzugeben und die Gartenstadt um eine ,wilde Ecke‘ reicher zu machen?“, appelliert Lernbass-Wutzl.

Stadt und ÖB B sind für Gemeinschaftsprojekt

Vizebürgermeister Harald Schinnerl erklärt, dass die Stadt bereit sei zu helfen: „Aber alleine kann die Gemeinde das nicht bewerkstelligen. So etwas geht nur gemeinsam.“ Die ÖBB könnten als Grundeigentümer den ersten Impuls setzen, die Stadtgemeinde könnte Unterstützung leisten, aber es wäre auch die Hilfe jener Anrainer und Tullner gefragt, die ein derartiges Projekt gerne hätten. In dieselbe Kerbe schlägt ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif: „Es besteht nicht nur die Möglichkeit, dass eine Lösung in Kooperation zwischen ÖBB, Stadtgemeinde, Natur im Garten und Birdlife gefunden wird, sondern die ÖBB wünschen sich eine solche Lösung.“

Denn ein solches Vorhaben könne ohne Zusammenarbeit – vor allem mit den Anrainerinnen und Anrainern – aufgrund der Größe und Länge der Fläche nicht sinnvoll umgesetzt werden. Ähnliche Projekte wären in Kritzendorf, Unterkritzendorf und Klosterneuburg/Kierling, bereits erfolgreich realisiert worden. „Sie laufen zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten“, sagt Seif. Ende Oktober wird es in Tulln eine weitere Besprechung geben. Eine Schulklasse habe schon jetzt angeboten, beim Bepflanzen zu helfen: Geplant sind heimische Sträucher mit einer natürlichen Wuchshöhe von maximal vier bis fünf Metern. Zum Start soll eine Naschhecke gesetzt werden.