Die vielen Facetten des Erwin Steinhauer

Der Langenlebarner Autor Fritz Schindlecker erzählt in seinem neuen Buch Spannendes und Heiteres aus dem Leben des großen Künstlers.

Thomas Peischl
Thomas Peischl Erstellt am 18. September 2021 | 04:46
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Fritz Schindlecker und Erwin Stein-hauer bei einer gemeinsamen Lesung im Tullner Danubium.
Foto: Hans Eder

Multitalent Erwin Steinhauer feiert dieser Tage seinen 70. Geburtstag. Wer wäre besser geeignet aus diesem Anlass ein biografisches Porträt zu zeichnen als sein langjähriger Freund und Wegbegleiter Fritz Schindlecker? Niemand wäre das. So kam es, dass der Langenlebarner Autor und Dramatiker unter dem Titel „Der Tragikomiker“ in feinfühlig gewählten Worten ein entsprechendes Buch verfasste.

Die beiden Künstler kennen einander buchstäblich länger als ihr bisheriges halbes Leben, nämlich schon seit mehr als 37 Jahren. Genauer gesagt war es im Mai 1984, als das Telefon läutete und Wolfgang Steinhauer (der Vater) Kontakt zum Autor aufnahm. Nachdem Schindl-ecker am dritten Kabarettprogramm Erwin Steinhauers mitgeschrieben hatte, folgte eine erste lange Phase der regelmäßigen wie erfolgreichen Zusammenarbeit. Bei „Alles Walzer“ in den Wiener Kammerspielen war Otto Schenk als einer der Hauptdarsteller anfangs gar nicht, nach der umjubelten Premiere dann aber doch sehr begeistert von Schindleckers Schreibarbeit, besonders von den Doppelconférencen.

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„Nachdem wir beide in unseren Sturm-und-Drang-Jahren nicht gerade konfliktscheu waren, haben wir es Anfang der 1990er dann geschafft, uns gröber zu zerstreiten“

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Carl Ueberreuter Verlag GmbH

Für „Der Sonne entgegen“, einer Flaggschiff-Serie des ORF aus den 1980er-Jahren, holt Erwin Steinhauer ab der zweiten Staffel Schindlecker als Drehbuchautor an Bord. „Nachdem wir beide in unseren Sturm-und-Drang-Jahren nicht gerade konfliktscheu waren, haben wir es Anfang der 1990er dann geschafft, uns gröber zu zerstreiten“, erinnert sich Schindlecker. Nach einer längeren Pause folgte auf die erste Welle der Freundschaft in den 2010ern eine zweite, die bis heute nicht abgeebbt ist. Unter anderem schrieben die beiden gemeinsam mehrere Bücher (von „Sissi, Stones und Sonnenkönig“ bis zuletzt „Aufgedeckt!“).

Auf die Frage, warum es jetzt sachlich und harmonisch zugeht, wo früher intensiv gestritten worden war, soll Steinhauer gesagt haben: „Du hast dich verändert, du bist nicht mehr so stur …“, aber auch „Damals haben wir beide genau gewusst wie es geht. Heute wissen wir beide, dass wir es eigentlich nicht wissen.“

Trotz vieler gemeinsamer künstlerischer Abschnitte lernte Schindlecker im Lauf seiner Arbeit an „Der Tragikomiker“ auch neue Facetten Steinhauers kennen: „Ich wusste etwa nicht, dass Erwin mit einem gewissen Willi Resetarits, auch als Kurt Ostbahn bekannt, einen Stepp-Tanz-Kurs absolvierte. Meines Wissens nach haben aber beide Künstler diese Fertigkeit später nie wieder angewendet.“

„Ich wusste etwa nicht, dass Erwin mit einem gewissen Willi Resetarits, auch als Kurt Ostbahn bekannt, einen Stepp-Tanz-Kurs absolvierte"

Auf die Sorge des Jubilars, „Ich möcht’ aber net nur Positives über mich lesen“, hatte Schindlecker in einem der Vorgespräche rücksichtsvoll mit „Da brauchst’ keine Angst haben“ geantwortet. Entstanden ist letztlich eine Kurzgeschichtensammlung über einen Ausnahmeschauspieler, -kabarettisten und -sänger, der, so Schindlecker „in verschiedenen Berufen eine exzeptionelle Karriere hingelegt hat“.