Hüther: "Konkretes Tun ist bei Zusammenleben gefragt". Neurobiologe Gerald Hüther hielt zum Thema „Stadt des Miteinanders“ einen Vortrag.

Von Helga Urbanitsch. Erstellt am 08. Juni 2019 (05:11)
Urbanitsch
Bürgermeister Peter Eisenschenk mit Neurobiologe Gerald Hüther im Atrium, wo rund 600 Personen zum Vortrag mit dem Thema „Stadt des Miteinanders“ kamen.

Tulln als „Stadt des Miteinanders“ könnte Vorbild für das Zusammenleben in Städten im 21. Jahrhunderts werden. Dazu sprach Neurobiologe Gerald Hüther in einem bemerkenswerten Vortrag. „Das Zusammenleben muss allerdings so gestaltet sein, dass es für alle gut ist, das geht niemals, indem sich die einen auf Kosten der anderen durchsetzen“, so Hüther, der den völlig neuen gesellschaftlichen Weg in Tulln begleitet. Der Ball liegt laut Hüther bei den Tullnern: „Es braucht das konkrete Tun, damit gesehen wird, was passiert, wenn sich eine ganze Stadt auf den Weg macht, anders miteinander das Leben zu gestalten.“

Sich nicht mehr gegenseitig zu belehren, sondern einfach zu schauen, wie man den anderen einladen, ermutigen, inspirieren kann, in seine eigene Kraft zurückzufinden, dass er sich wieder entwickelt, ist das Ziel des gesellschaftlichen Weges.

„Es muss sich eine regionale Identität entwickeln. Die Verbundenheit mit Tulln ist Voraussetzung.“ Gerald Hüther

„Das führt nicht nur zum Wohl des Einzelnen, sondern auch zum Wohl der ganzen Stadt, das ist eine andere Kultur, das ist ein Miteinander“, bringt es Hüther auf den Punkt.

Das Entscheidende ist dabei, dass die Bürger von Tulln selbst die Gestalter ihrer Lebensgemeinschaft in der Stadt sind. Hüther sprach auch über das riesige Potenzial, mit dem jeder auf die Welt kommt und von vorgefertigten Strukturen in Familie und Schulen, aus denen man sich erst „entwickeln“ muss, um sich zu entfalten. Auf die Frage: „Wo man am besten ansetzt?“, weiß Hüther: „Das geht am leichtesten, wenn zwei Menschen einander auf der Straße begegnen. Man könnte den anderen anlächeln, einfach um ihm das Gefühl zu geben, dass er ok ist, so wie er ist.“ Menschen müssen das Gefühl haben um ihrer Selbst willen geschätzt zu werden. „Das wäre eine Stadt des Miteinanders.“