Nach Prozess: „Hoffe, Sie kriegen Ihr Leben in Griff". Richter richtete an 15-Jährige einen eindringlichen Appell. Mit 14 hatte die Tullnerin eine Flasche Wodka pro Tag konsumiert.

Von Alex Erber. Erstellt am 24. Juni 2020 (03:39)
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Erstmals vor Gericht verantworten musste sich eine 15-Jährige. Gewerbsmäßiger Diebstahl, teils durch Einbruch, wurde ihr vorgeworfen.

Das Mädchen zeigte sich geständig. Gemeinsam mit zwei Komplizen (15 und 16) suchte sie das Lager des Merkur-Marktes in St. Pölten heim und klaute dort Getränke. Auch das Schiff von Altbürgermeister Willi Stift, „Stadt Wien“, war mehrfach Zielscheibe der Burschen. Einmal war die nun Angeklagte mit von der Partie, in diesem Fall ist nichts gestohlen worden. Dafür langte sie bei Peek & Cloppenburg in Wien zu. „Warum haben Sie Herrenkleidung gestohlen?“, will Richter Markus Grünberger wissen.

„Hätte mir auch als Mädchen gepasst“, so die lapidare Antwort.

Erstaunt vernahm der Richter dann die Antwort auf die Fragen, ob die Tullnerin ein Alkoholproblem gehabt, wie viel sie zu „Spitzenzeiten“ getrunken habe. „Eine Flasche Wodka pro Tag“, erklärte die Schulabbrecherin. „Das hatten wir hier vor Gericht noch nie, dass eine 14-Jährige angibt, so viel getrunken zu haben“, kommentierte Grünberger.

Fragen zur Zukunft gab es auch.

Im September wolle sie die Polytechnische Schule besuchen, danach eine Lehre beginnen, erklärte das Mädchen. Ob es eine Therapie machen wolle? „Nur, wenn ich muss.“ Ob es Sozialstunden leisten wolle? „Nur, wenn ich muss.“

Immerhin, die Taten, die die Staatsanwältin angeklagt hat, sind mehr als ein Jahr her. Seit damals gibt es keine Anzeige. Auch den Kontakt zum „Freundeskreis“ will die 15-Jährige abgebrochen haben.

Urteil ja, Strafe nein

Richter Grünberger verurteilt sie, setzt aber das Strafmaß aus. Therapie hingegen ordnet er an. „Sie stehen jetzt drei Jahre unter Beobachtung. Ich hoffe, Sie kriegen Ihr Leben in den Griff. Und ich wünsche mir, dass wir einander nie mehr wiedersehen“, appelliert er eindringlich im Zuge der Urteilsverkündung. Und: „Ergreifen Sie den Strohhalm, den ich zugeworfen habe. Sie haben den Ball in der Hand!“ Rechtskräftig.