Putzfrau um 267.000 Euro betrogen. Ein 53-Jähriger lockte einem Tullner Paar nicht weniger als 267.000 Euro heraus. Darüber wundert sich auch der Richter.

Von Alex Erber. Erstellt am 29. Juli 2020 (04:44)
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APA (Symbolbild/dpa)

„Die Opfer sind unglaublich einfältig und haben offenbar keinen Bezug zu Zahlen“, stellt der Richter bei einem Prozess am Landesgericht St. Pölten fest.

Mit einem Wort: Die Raumpflegerin und ihr Lebensgefährte waren leichte Beute für einen 53-Jährigen, der dem Duo vorgaukelte, Probleme mit dem Finanzamt zu haben. Der Mann lockte der Frau, die seine komfortable Wohnung sauber machte, sowie ihrem Lebensgefährten nicht weniger als 267.000 Euro heraus. Die Putzfrau und ihr verstorbener Mann hatten eisern gespart, der Lebensgefährte pumpte die Großmutter in Deutschland an, um stolze 200.000 Euro bereitstellen zu können.

Chat-Protokolle sind eindeutig

Sicherheit gab es nicht, es wurde praktisch nichts schriftlich dokumentiert oder unterschrieben. Was dem Angeklagten zum Verhängnis wurde, sind Chat-Protokolle, die sich der Richter ausheben ließ. Sie gehen weit über das Ausmaß hinaus, das die Polizei zur Verfügung stellte. Auf dutzenden Seiten kann nachvollzogen werden, wie der mutmaßliche Betrüger um Geld bettelte. Und als es dem Paar dämmerte, dass etwas nicht in Ordnung ist, wurde es immer wieder vertröstet: „Ich werde alles erledigen“, „Habe alles bezahlt“, „Zwei Tage und alles ist gut“, „Habe 30.000 Euro für dich überweisen lassen“ heißt es da etwa. Kein Wort stimmte.

Der Richter verurteilt den Angeklagten wegen des Verbrechens des schweren gewerbsmäßigen Betrugs zu zwei Jahren Haft, acht Monate muss er absitzen, der Rest ist auf Bewährung. 251.000 Schaden soll er innerhalb von 14 Tagen wiedergutmachen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.