Tulln setzt Testungen fort. In der Stadt wird es keine Schnelltests in Arztpraxen geben. Stadtarzt und Bürgermeister zufrieden mit Teststraße bei Messe, die weiterhin in Betrieb bleibt.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 28. Oktober 2020 (04:01)
Stadtarzt Franz Bichler, Bürgermeister Peter Eisenschenk und Rotkreuz-Präsident Josef Schmoll bei der Präsentation der Tullner Schnelltestmodells, das aufgrund des Erfolgs fortgeführt wird.
Peischl

Für Aufregung in der Bezirkshauptstadt sorgte eine Forderung der Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin. „Die von Susanne Rabady angedachten Covid-19-Schnelltests in den Arztpraxen sind meiner Meinung nach im städtischen Bereich, wo in Kassenpraxen während der Ordinationszeiten sehr viele Patienten behandelt werden, nicht umsetzbar“, sagt Stadtarzt Franz Bichler.

In Tulln haben einige Hausärzte ihre Ordinationen im zweiten Stock oder im Keller, was die Sache nicht einfacher mache. „Und Patienten im Garten des Arzthauses zu untersuchen ist wohl absurd“, sagt der Allgemeinmediziner. Es sei auch nicht auszuschließen, dass infizierte Personen unangemeldet in ein volles Wartezimmer kommen. Rasch könnte so ein Cluster entstehen. „Wir wollen doch nicht, dass die medizinische Grundversorgung der Stadt durch Quarantäne-Beschränkungen der Arztpraxen zusammenbricht“, warnt Bichler.

„Wichtig ist, dass sich hier Patienten mit akuten Symptomen wie Fieber, Halsschmerzen, trockenem Husten sowie Geruchs-/ Geschmacksverlust testen lassen.“ Stadtarzt Franz Bichler über die Tullner Schnelltests

Er plädiert stattdessen für die Fortsetzung des Tullner Erfolgsmodells: In der Teststraße am Messegelände werden Menschen mit Krankheitssymptomen (!) mit höchstem Sicherheitsaufwand vorgetestet. „Unsere Erfahrungen zeigen, dass diese Antigentests der zweiten Generation super funktionieren“, betont der Stadtarzt. Es gelinge damit hervorragend, akut von Covid-19 betroffene Personen herauszufiltern. Wenn der Schnelltest bei einem Patienten mit Symptomen negativ ist, dann sei es sehr unwahrscheinlich, dass er Corona hat.

Bichler hat auch ein perfektes Beispiel für das Zusammenspiel der verschiedenen Systeme parat: Am Montag wurden 12 Mitarbeiter eines Tullner Unternehmens mittels PCR getestet, alle waren symptomlos, vier waren aber Covid-19-positiv. „Am Donnerstag meldete sich einer der negativ Getesteten mit Fieber und Halsweh zum Schnelltest am Messegelände: Das Ergebnis war positiv“, berichtet der Mediziner. Es gehe um wichtige Momentaufnahmen, die dabei helfen, die Erkrankten richtig zu filtern.

Zufrieden mit dem Schnelltestsystem zeigt sich auch Bürgermeister Peter Eisenschenk: „Es ist eine in Niederösterreich einzigartige Serviceleistung. Ich freue mich, dass wir jetzt einen einstimmigen Stadtratsbeschluss haben, die Schnelltests bei der Messe fortzuführen.“

Bis 23. Oktober wurden rund 340 Personen getestet. 28 wurden mit dem Schnelltest als infiziert erkannt, 30 mit dem PCR-Test, der zusätzlich durchgeführt wurde. Damit weisen die Schnelltests eine über 90-prozentige Zuverlässigkeit auf. Die zusätzliche PCR-Testung wird eingestellt. „Entscheidend ist, dass Covid-19-positive Personen rasch erkannt und abgesondert werden, um Ansteckungsketten zu unterbrechen und die Ausbreitung zu vermeiden“, betont Eisenschenk.