Über 300 Ideen für Stadtzukunft. In einer Zwischenbilanz skizzierten Experten ihre Vorschläge für die Zukunft von Tulln. Jetzt werden Anregungen der Bürger eingearbeitet.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 16. September 2020 (04:05)
Zogen eine erste Zwischenbilanz der „Tulln Strategie 2030“: Anita Mayerhofer, Gernot Stöglehner, Agnes Feigl, Matthias Zawichowski, Peter Eisenschenk, Caren Ohrhallinger, Johanna Steinhäusler, Wolfgang Mayrhofer und Harald Schinnerl.
Peischl

Der „Kompass für Tulln“, wie Bürgermeister Peter Eisenschenk einmal sagte, nimmt langsam aber stetig Form an. Nach Experten und Politik beteiligen sich nun auch Bürger an der „Tulln Strategie 2030“. Seit Mitte August brachten sie mehr als 300 Ideen ein, die nun wieder von Experten auf ihre (realistische) Umsetzbarkeit geprüft werden. Im Atrium zogen Caren Ohrhallinge rund Johanna Steinhäusler von der Ideenwerkstatt nonconform, die den gesamten Prozess begleitet, eine Zwischenbilanz.

Baulandreserven sollen genützt werden

Zur Erinnerung: Im Herbst 2019 hatte der Gemeinderat beschlossen, nicht nur eine neues örtliches Entwicklungskonzept zu erstellen, sondern auch die Bereiche Energie, Stadtgrün, Umwelt, Mobilität und Digitalisierung in die Zukunftsstrategie miteinfließen zu lassen.

Was die örtliche Entwicklung angeht, so sind die Absichten schon jetzt klar deklariert: Verdichten und die Nutzung bestehender Grundreserven sind angesagt. Bis 2030 soll die Bevölkerung der Stadt idealerweise um 0,5 höchstens jedoch um 1 Prozent wachsen. Was die Frage aufwirft, wo 1.200 bis 2.400 neue Tullner wohnen sollen. „Der Geschoßwohnbau wird zunehmen“, sagte dazu Architektin Anita Mayerhofer, „aber nur dort, wo er ortsverträglich ist.“ Außerdem gelte es bestehende Landreserven zu mobilisieren, das sind immerhin 65 Hektar Wohnbauland und 51 Hektar Betriebsflächen.

Nicht nur die Fläche, auch der Raum soll intensiver genutzt werden. Für diese Energieraumplanung erstellten Gernot Stöglehner (Universität für Bodenkultur) und sein Team u.a. einen Solar-Dachflächenkataster. Wenn Tulln bis zu 20 Prozent dieses Potenzials nützt, geht der gewonnene Strom in den Verbrauch. Alles darüber hinaus könne (je nach Jahreszeit) für Wärme oder Kühlung bzw. für E-Mobilität genützt werden.

Attraktive Wege für Fußgänger und Radler

Letztere ist wiederum nur einer von vielen Bausteinen für Tullns Weg zur Klimaneutralität bis 2040, wie Matthias Zawichowski (im-plant-tat, fahrvergnügen.at) betont. Er empfiehlt, öffentliche Räume und Wege für aktive Mobilität (zu Fuß oder per Rad) zu attraktivieren. Begegnungszonen nach dem Modell Hauptplatz sollen ausgedehnt, Katastralgemeinden über Annrufsammeltaxi oder auch Radschnellwege besser angebunden werden. Großes Ziel der Stadt bleibt ein zweites Bahngleis zur Anbindung an den Bahnhof Tullnerfeld.

Möglichkeiten auf dem Weg Tullns zur klimafitten Gartenstadt skizzierte Agnes Feigl von der ARGE Stadtgrün. Gebäudebegrünungen, naturnahes Regenwasser-Management und grüne Frischluftkorridore sollen das Mikroklima in der Stadt verbessern. „Dabei zählt nicht nur das was, sondern auch das wie“, wie Feigl betonte. Langfristig gedacht und frühzeitig integriert funktionieren all diese Maßnahmen am besten.

Bürgermeister Peter Eisenschenk bedankte sich bei Bürgern und Experten für ihre Beiträge. Er betonte noch einmal, dass es unverantwortlich wäre, Tulln über die Siedlungsgrenzen hinaus zu entwickeln und: „Mir gefällt die Idee, rund ums Rathaus einen klimafitten, grünen Verweilplatz zu schaffen.“ Die Betonwüste im Bereich des Nibelungenplatzes biete sich dafür geradezu an: „Und es könnte ein weiteres Vorbildprojekt sein.“

Ideen und den nächsten Termin finden Sie im Infokasten.