Zehn Jahre Gefängnis für Messerattacke. Im Suff attackierte 22-jähriger Tagelöhner einen Arbeitskollegen. Geschworene entschieden: Das war Mordversuch.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 01. Mai 2019 (04:32)
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„Er ist arm im materiellen Sinn und arm im Geiste und befindet sich nach seinem ersten großen Rausch in einem Schwurgerichtssaal“, sagt eine Verteidigerin über ihren Mandanten in einem Geschworenenprozess. Dem, einem 22-jährigen Rumänen, wird versuchter Mord vorgeworfen.

Bei einem Unternehmen in Tulln war der Angeklagte beschäftigt. Mit Landsmännern trank er am 16. November 2018 gemeinsam im vom Dienstgeber zur Verfügung gestellten Quartier am Abend Metaxa. Im Streit schlug er dann mit einer Flasche und Fäusten auf einen Arbeitskollegen ein. Das Opfer erlitt eine Rissquetschwunde am Kopf. Zwei Mal attackierte der Angeklagte dann den gleichaltrigen Kollegen mit einem Messer mit zwölf Zentimeter langer Klinge, drohte: „Ich schneid’ dich auf!“

„Ich schneid’ dich auf!“

„Diese Eskalation wiederzugeben, schafft mein Mandant nicht“, setzt die Verteidigerin fort. Und sie erklärt: „Er ist in ärmlichsten Verhältnissen aufgewachsen und hat als Tagelöhner 200 Euro verdient. Er steht am Rande der Gesellschaft. Er ist einer, der immer niedergedrückt wurde, obwohl er immer brav war.“ Von seinen Arbeitskollegen sei der Rumäne gedemütigt worden, so die Rechtsanwältin weiters. Und: „Er war das Mädchen vom Dienst.“

„Unter großer Aufwendung all ihrer Kräfte haben andere verhindert, dass er auf das Opfer einsticht“, erzählt der Staatsanwalt im Eingangsplädoyer den Geschworenen. Auch Verleumdung wirft er dem 22-Jährigen vor. Vor der Polizei soll dieser den Kontrahenten zu Unrecht beschuldigt haben, auf ihn losgegangen zu sein.

„Unter großer Aufwendung all ihrer Kräfte haben andere verhindert, dass er auf das Opfer einsticht“

Ob der Rumäne sich zu den Vorwürfen schuldig bekennt? „Ich hätte nichts trinken sollen“, sagt er. 1,9 Promille hatte er damals intus, das Opfer rund 1,5 Promille.

Sieben von acht Geschworenen befinden den Angeklagten des Mordversuchs schuldig. Der Senat verhängt über ihn die Mindeststrafe: zehn Jahre Gefängnis. Nicht rechtskräftig.