Idylle anstatt Zerkarie. Kein lästiges Hautjucken und keine störenden Algen. Dem Badespaß steht nichts im Weg.

Von Viviane Werdath. Erstellt am 02. August 2018 (02:15)
APA/HERBERT P. OCZERET
Aubad Tulln

Etwa 4.000 Gäste nützten am Wochenende das prachtvolle Badewetter und genossen eine Abkühlung im erfrischenden Nass des Tullner Aubades. Ein Naturphänomen, das keineswegs neu ist und in den heißen Sommermonaten in vielen Badegewässern auftritt, sind Zerkarien. Doch die lästigen Hautreizungen, die sie verursachen, sind heuer kein Thema.

Die Saugwurmlarven gelangen vom Kot von Wasservögeln über Wasserschnecken, die als Wirt dienen, ins Flachwasser. Verirrt sich eine auf die Haut des Menschen, entsteht ein Knötchen, das mit einem juckenden Insektenstich vergleichbar ist. Für große und kleine Wasserratten ist das völlig harmlos und klingt nach wenigen Tagen ab. „In den sozialen Medien startete vor drei Jahren ein richtiger Hype, der die Leute auch heute noch unnötig verunsichert“, ärgert sich Christian Holzschuh, der für die Tullner Sport- und Freizeitbetriebe verantwortlich ist.

„Wir haben keine Probleme mehr, die Wasserqualität ist top.“ Christian Holzschuh, Leiter der Sport- und Freizeitbetriebe

Mit dem Ziel, den Zerkarien den Garaus zu machen, setzte die Stadtgemeinde auf eine Reihe von Maßnahmen, die mit Experten entwickelt wurden und die Jahr für Jahr ausgefeilter werden. Knapp vor dem Start der Badesaison wurden die Schotterbereiche und der Sand im Kinderbereich umgewälzt, um die Wasserschnecken zu dezimieren. Stark bewachsene Uferzonen wurden abgesperrt, die Schilfbereiche erweitert. Zwei Mal im Jahr gibt es ein Testfischen, um ein ökologisch optimales Verhältnis im Fischbestand zu erreichen. Daher wurde heuer erstmalig das private Fischen im Aubad eingestellt.

„Zerkarien gänzlich auszurotten ist aber unmöglich“, so Holzschuh. Doch auch die Badegäste selbst können zur Verbesserung beitragen, indem sie Enten nicht durch Füttern anlocken.

Die angewandten Strategien zeigen Erfolg: „Zerkarien? Nein, es gibt absolut keine Beschwerden“, hört man an der Aubad-Kassa. „Wir haben keine Probleme mehr, die Wasserqualität ist top“, bestätigt Holzschuh. Auch die von der NÖN befragten Badegäste zeigten sich durchwegs entspannt: Nach dem Baden duschen und gut abrubbeln, lautet dennoch die Devise.

„Zerkarien gänzlich auszurotten ist aber unmöglich“

Für jene, die unter dem kalten Wasser der Aubadduschen frösteln, heißt es weiterhin: Zähne zusammenbeißen. „Warmwasserduschen sind aus Hygienegründen nicht genehmigt“, stellt Holzschuh klar und erklärt: „Um die Bildung gefährlicher Legionellen zu verhindern, wäre eine spezielle Heizungsanlage notwendig. Eine teure Investition, die sich bei höchstens 60 Badetagen jährlich nicht lohnt.“

Ein häufiger Beschwerdepunkt für Schwimmer in natürlichen Gewässern sind Algen und Wasserpflanzen. Vielerorts hört man Klagen darüber. „Nicht bei uns“, freut sich Holzschuh: „Im Aubad werden sie laufend auf Schwimmtiefe gemäht, per Hand, mit einem Mähbalken. Das ist eine Knochenarbeit. Der Personaleinsatz ist enorm.“

Eschensterben bereitet noch immer Sorgen

Aktuell ist das Thema Eschensterben. Besonders bei jenen Gästen des Donaupark Campingplatzes, die im Vorjahr wegen dringend notwendiger Baumfällungen auf das Aubad verzichten mussten. „Viele wollen vor der Anreise sichergehen, dass es keine Probleme gibt“, berichtet Rezeptionistin Marion Riedel, „aber heuer ist alles in Ordnung.“

Bezirksförster Roland Jaggler: „Das Eschensterben schreitet leider munter voran. Natürlich ist das auch im Aubad zu spüren. Doch er beruhigt: „Die Flächen werden laufend gewartet, die Wegstrecken sind gesichert. Sicherheit ist oberstes Gebot.“

Im Vergleich zum Vorjahr, in dem 80- bis 90.000 Badegäste ins Aubad strömten, zeichnet sich derzeit ein Minus von 45 bis 50 Prozent ab, bedauert Holzschuh, der es vor allem auf die ständigen Wetterkapriolen zurückführt. „Abwarten, die Saison ist ja noch nicht zu Ende“, bleibt Holzschuh aber optimistisch.