Im Universitätsklinikum Tulln fehlen die Fachärzte

Angespannte Situation auf Abteilung für Orthopädie und Traumatologie.

Erstellt am 21. Oktober 2021 | 04:59
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Nach dem Abgang mehrerer Fachärzte der Unfallchirurgie setzt das UK Tulln Rekrutierungsmaßnahmen, außerdem helfen Mediziner aus anderen Krankenhäusern aus, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.
Foto: Robert Herbst

Ein akuter Medizinermangel, der sogar die Nacht-Ambulanz gefährdet habe: Die Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Tulln soll am Limit operieren. Bis zu neun Fachärzte würden fehlen, die Lage auf der Station sei brenzlig, hört man aus dem Spital.

Was ist los auf der Unfallchirurgie? „Es trifft zu, dass an der Klinischen Abteilung für Orthopädie und Traumatologie des UK Tulln derzeit eine angespannte Situation in Bezug auf Fachärzte herrscht“, bestätigt Sprecherin Viola Hirschbeck, ohne auf konkrete Zahlen einzugehen. Der Mangel sei der Strukturierung geschuldet: „Durch die Neugestaltung des Ausbildungsfaches Orthopädie und Traumatologie wird den früher ausschließlich unfallchirurgisch tätigen Ärzten die Perspektive eröffnet, als Orthopäden in Ordinationen und Privatkrankenhäusern tätig zu werden. Dies eröffnet neue berufliche Optionen.“

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Rekrutierung und Hilfe aus anderen Kliniken

Ein weiteres Phänomen kommt hinzu, erklärt die Sprecherin: „Zum anderen haben sich einige Fachärzte des UK Tulln beruflich im Sinne weiterer Karriereschritte verändert und Leitungsfunktionen in anderen Gesundheitseinrichtungen übernommen, wozu ihnen zu gratulieren ist.“

Das zufällige Zusammentreffen dieser Faktoren habe zum Abgang mehrerer Fachärzte geführt und „ist verantwortlich für die derzeitige Personalsituation“, so Hirschbeck, „es wurden jedoch umgehend Rekrutierungsmaßnahmen gesetzt, sodass bereits zwei neue Fachärzte für die Nachfolge gewonnen werden konnten, mehrere weitere Bewerbungen liegen vor. Gut ausgebildete und qualifizierte Fachärzte – und nur solche sollen Teil des Teams werden – haben meist entsprechende Kündigungsfristen, welche einzuhalten sind. “

Zwischenzeitlich helfen Mediziner aus anderen Krankenhäusern aus. Hirschbeck: „Die Unterstützung von Fachärzten aus befreundeten Kliniken wird dankbar angenommen.“ Das sei durch das gemeinsame Dach aller Kliniken, der NÖ Landesgesundheitsagentur, möglich.

Mit Schützenhilfe anderer Spitäler kann die Nacht-Notaufnahme weiter bestehen: „Damit ist es möglich, den Dienstbetrieb wie bisher aufrecht zu erhalten und die Versorgung von Unfallverletzten in der gewohnten Qualität sicherzustellen.“

Übrigens: Die Abteilung für Orthopädie und Traumatologie durfte sich vergangene Woche nach Audit durch die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie über die Zertifizierung als Lokales Traumazentrum freuen.