Covid-Station: „Intensiv & körperlich schweißtreibend“. Ärzte und Pfleger des Universitätsklinikums Tulln gewähren der NÖN Einblicke in ihren Arbeitsalltag in Zeiten der Corona-Pandemie.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 11. November 2020 (04:48)

Am 7. November wurden in Österreich erstmals mehr als 8.000 Neuinfektionen verzeichnet. Mit dramatisch steigenden Fallzahlen wächst auch die Zahl der Covid-19-Patienten in den Spitälern. Wie die Fachkräfte am Universitätsklinikum Tulln mit dieser Herausforderung umgehen, berichteten sie der NÖN ohne Ansteckungsgefahr im Online-Interview.

„Die Arbeit hier ist eine für das gesamte Personal anstrengende"

Die Covid-Station ist auf der Abteilung für Interne Medizin eingerichtet, natürlich als Isolierstation. „Die Arbeit hier ist eine für das gesamte Personal anstrengende. Man muss bedenken, dass die pflegerische und medizinische Tätigkeit in kompletter Schutzausrüstung durchgeführt werden muss und beim Ausziehen der Schutzausrüstung jeder Handgriff genau überlegt sein muss“, schildert Abteilungsvorstand Herbert Frank. Ansonsten laufe der Arbeitstag geregelt ab: Nach der Pflegerunde werden mehrmals täglich die Vitalparameter (Blutdruck, Sauerstoffsättigung) bestimmt und gegebenenfalls Blutabnahmen durchgeführt. Tägliche Visiten finden am Vormittag statt.

Von deutlich höherem Aufwand sprechen auch Abteilungsvorstand Herwig Feik (Anästhesie und Intensivmedizin, Krankenhaushygiene) und Edeltraud Jenner (Stationsleitung Interne 1). Die Schutzkleidung werde beim Verlassen des Patienten bzw. Wechsel zu einem anderen Patienten abgelegt/gewechselt: „Das ist sehr zeitintensiv und körperlich schweißtreibend anstrengend.“

Das gilt umso mehr für die Pflegekräfte. „Um bei beatmeten Intensivpatienten auch die hinteren Lungenareale gut zu belüften und ihre Sauerstoffsättigung zu verbessern, werden diese Patienten stundenweise in Bauchlage gedreht“, erklärt Alexander Breuer (Stationsleitung Anästhesie und Intensivmedizin). Das nimmt bis zu vier Personen in Anspruch und ist zusätzlich eine erhebliche körperliche Belastung.

Ärzte und Pfleger sind hochmotiviert

Mit den steigenden Fallzahlen der letzten Tage nahmen psychischer und körperlicher Druck noch einmal zu. Und nach wie vor gilt es, neben den Covid-19-Erkrankten auch die anderen internistischen Patienten zu betreuen. An dieser Stelle streuen Abteilungsvorstände und Stationsleitungen ihrem gesamten Team Rosen: „Ärzte und Pfleger sind hochmotiviert und zeigen hohe Flexibilität im Arbeitseinsatz!“

Die gute Kooperation wird von pflegerischer Seite bestätigt. „Ärzte und Pflegepersonal arbeiten noch intensiver zusammen, als im Vorfeld der Pandemie. Wir sind aufeinander angewiesen, sodass die Covid-erkrankten Patienten optimal versorgt werden können“, sagt Alexander Breuer.

Die Sorge, sich selbst anzustecken ist auch beim Klinikpersonal allgegenwärtig. Andererseits wurde das Risiko bestmöglich minimiert. Neben der Schutzkleidung setzt man auf hohe Hygienestandards, und das nicht erst seit gestern.

Mitarbeiter tragen seit dem Frühjahr Masken

„Wir haben seit dem Frühjahr Abläufe definiert und strukturiert und gerade im Bereich der Hygiene verschiedene Szenarien durchgespielt“, schildert Herbert Frank. Außerdem war das Universitätsklinikum Tulln eines der ersten Spitäler, die bereits im Frühjahr die allgemeine Maskenpflicht für sämtliche Mitarbeiter umgesetzt haben.

In Zeiten der Pandemie gilt am Uniklinikum ein Besuchsverbot, vor allem für die Isolierstation. Keine einfache Situation für Angehörige, trotzdem reagiert der Großteil mit Verständnis. „Nur einige wenige können die drastischen Einschränkungen nicht verstehen“, sagt Herwig Feik. Vieles könne man mit telefonischen Auskünften kompensieren, aber sicher nicht den Besuch ersetzen. „Und wir versuchen auch, durch digitale Lösungen wie Videotelefonie den Kontakt zu ermöglichen und zu erhalten“, ergänzt Alexander Breuer.

Nach einem schweißtreibenden Tag in der Covid-Station, wie schaltet man da ab? Frische Luft und Natur stehen bei Ärzten und Pflegern gleichermaßen ganz vorne auf der Erholungs-Wunschliste, aber auch Rückhalt und Ablenkung durch die Familie. Außerdem steht allen Mitarbeitern auf Wunsch die klinische Psychologin Viktoria Wentseis für Entlastungsgespräche zur Verfügung. Was die nahe Zukunft angeht, so ist das Uniklinikum Tulln mit der von 30 auf 60 Betten aufgestockten Isolierstation kapazitätsmäßig gut gerüstet. Im Idealfall würden diese jedoch gar nicht erst auf Vollbelegung kommen.

„Bitte halten Sie Abstand, reduzieren Sie soziale Kontakte auf ein Minimum und tragen Sie den Mund-Nasenschutz konsequent“, appellieren die Abteilungsleiter Feik und Frank unisono. Denn die Ansteckungsuhr in unserem Land stehe schon jetzt auf fünf nach zwölf.