Die Devise in Altenberg lautet: Aus Alt mach Neu. Zu schade zum Wegwerfen – Künstlerin Christine Berger kreiert aus Abfall allerlei Nützliches und Dekoratives.

Von David Ulrich. Erstellt am 15. November 2020 (03:14)
Christine Berger mit einer Kette aus nur scheinbar wertlosem Material.
zVg

In Christine Bergers Haus im Dschungeldorf am Donaualtarm brennt um diese Jahreszeit fast immer ein Feuer im großen Ofen im Wohnzimmer. Ein solider Holztisch mit zwei Sesseln und eine hölzerne, in Rottönen gepolsterte Holzbank sind Mittelpunkt des Hauses.

Die gebürtige Wienerin lebt bereits seit 20 Jahren in ihrer ehemaligen Badehütte in Altenberg. „Ich vermisse Wien nicht“, schmunzelt Berger und schwärmt von der höheren Lebensqualität außerhalb der Großstadt. Sie hat schnell Freundschaften geschlossen und fühlt sich nicht nur als Gesicht in der Menge.

Die Künstlerin versteht sich auf’s „Upcycling“. Dabei geht es darum, aus Müll bzw. Abfallprodukten etwas Nützliches oder Dekoratives zu kreieren. Berger, die seit etwa zehn Jahren Schmuck herstellt, sah im „Upcycling“ eine Marktlücke. „Ich überlege mir immer, was kann ich machen, das die anderen nicht machen.“ So ist sie auf die Idee gekommen, aus an sich wertlosem Material, wie alten Kleidungsstücken, Plastikflaschen und Gummiringerl, Ketten und Ohrringe zu basteln. Aus altem Notenpapier oder Eierkartons werden Blüten, die zu eigenwilligen Kränzen gebunden werden.

„Ich überlege mir immer, was kann ich machen, das die anderen nicht machen.“

Die Künstlerin war zwar immer schon kreativ unterwegs, aber eher, wenn es auch einen praktischen Nutzen hatte. So hat sie sich im Lauf ihres Lebens an vielen Handarbeiten versucht: Seifen gegossen, Vorhänge und Tischtücher bestickt und sogar die Sitzgarnitur mit Teppichen neu bezogen. Gearbeitet hatte sie jedoch 40 Jahre lang als Journalistin: „Journalismus war schon in der Mittelschule mein einziger Berufswunsch.“

Nachdem sie mit 60 Jahren zwangspensioniert wurde, begann sie, eigenen Schmuck und Dekoartikel herzustellen, die sie dann bei Ausstellungen präsentierte. Vor knapp zehn Jahren tat sie sich mit einigen Gleichgesinnten zusammen und organisierte fortan ihre eigenen Ateliers in der Galerie über dem Kulturcafé in St. Andrä-Wördern.

Dieses Jahr war jedoch alles anders. Im zweiten landesweiten Lockdown musste nun auch der Herbstmarkt abgesagt werden. „Jetzt ist ein ganzes Jahr fast nichts gewesen“, sagt sie bedrückt, fügt aber hoffnungsvoll hinzu, dass die nächste Ausstellung schon für Mitte März geplant ist.