70 und kein Ende: Welches Tempo gilt beim Tullner Messe-Areal?

Ein Lenker ist sicher: Dort, wo er mit 63 km/h geblitzt wurde, darf man 70 fahren. Fehlanzeige? Die Stadt stellt klar: Limit ist 50 km/h.

Erstellt am 05. Januar 2022 | 05:49
Lesezeit: 2 Min
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Ein 70er-Schild lockt Lenker auf die falsche Fährte. Dezidiert beendet ist das Tempo nämlich nicht. Aber: Der Kreisverkehr hebt die Geschwindigkeit auf, nach der Ortstafel gilt 50.
Foto: Wagner

45 Euro Strafe, geblitzt mit 63 km/h: Die eingetrudelte Anonymverfügung verwundert einen Autofahrer aus dem Bezirk. Er ist sich sicher: Auf der Reitherstraße Richtung Zentrum gilt Tempo 70.

Eben diese Geschwindigkeit gibt eine Tafel kurz nach dem Kreisverkehr, angebracht auf Billa-Höhe, vor. Einen weiteren Kreisverkehr, die Ortstafel und rund einen Kilometer Fahrtstrecke später tappt der Lenker in die Radarfalle – 63 Stundenkilometer werden gemessen.

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Den besagten Abschnitt entlang des Messegeländes kennt der Mann mittlerweile gut: Immer wieder fährt er die Straße ab – auch mit Freunden – auf der Suche nach dem 70-Ende. Fündig wird er nicht.

„Scheinbar hat man vergessen, das Ende des 70ers kundzumachen“, vermutet der Lenker. Er will Einspruch gegen die Strafe einlegen und rät anderen Betroffenen, ihm gleichzutun: „Ich glaube, dass viele Leuten schon gezahlt haben, weil sie es nicht wussten.“

Stadt stellt klar: Es gilt Tempo 50

Wie schnell darf man am Weg ins Zentrum fahren – 50 oder 70 km/h? Für die Stadtgemeinde Tulln ist die Sachlage eindeutig: Am Standort des Radars ist das Tempo 70 bereits beendet und zwar durch – wie könnte es in Tulln anders sein – den Kreisverkehr.

„Die Geschwindigkeitsbeschränkung wird laut Straßenverkehrsordnung durch den Kreisverkehr aufgehoben. Danach folgt das Ortsschild und somit gilt dann im Ortsgebiet 50 km/h“, heißt es seitens der Stadtgemeinde.

Genauer erläutert bedeutet das: „Eine Geschwindigkeitsbeschränkung gilt für den Straßenzug, an dem das Verkehrszeichen angebracht ist, und endet daher nach dem Einbiegen in eine Querstraße.“ Wenn ein Tempolimit nach dem Einbiegen weiterhin gelten soll, müsste sie als Zonenbeschränkung verordnet sein.

In Tulln kommen solche Bestimmungen häufiger vor, etwa beim Kreisverkehr nördlich der Donaubrücke oder beim Kreisverkehr zur Autobahnauffahrt, aber auch beim Draken-Kreisverkehr. Dort gilt im Fachjargon: „Ohne Aufhebung der Beschränkung vor der Kreisfahrbahn ist diese beim Verlassen der Kreisfahrbahn jedenfalls aufgehoben, sofern dort keine neue Kundmachung erfolgt.“

Der Anlassfall, der Messe-Kreisverkehr, hat ähnliche Richtlinien: Auf der Strecke ins Zentrum biegt man durch den Kreisverkehr in einen anderen Straßenzug ein – und die Geschwindigkeitsbeschränkung wird dadurch aufgehoben. Da das Tempo also bereits vor der Ortstafel aufgehoben ist, gibt das Tulln-Schild eine neue Geschwindigkeit, nämlich 50 km/h, vor.

Übrigens: Ein beschildertes Tempolimit wird durch eine Ortstafel – sowohl Anfang als auch Ende – nicht aufgehoben.

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