Tullns Hauptplatz soll schattiger werden

Erstellt am 15. Juni 2022 | 05:13
Lesezeit: 3 Min
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Vom zweiten Obergeschoß der Rosenenarcade aus, an einem Markttag im Juni 2021 fotografiert, zeigt sich der Tullner Hauptplatz schon jetzt nahezu autofrei. Die NÖN wollte von den sechs im Gemeinderat vertretenen Fraktionen wissen, wie der Platz ihrer Meinung nach im Jahr 2030 aussehen soll.
Foto: Peischl
Die NÖN befragte die Gemeinderatsfraktionen zu ihren Vorstellungen für den Tullner Hauptplatz im Jahr 2030.
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Vor einigen Wochen sagte Gemeinderat Georg Brenner (NEOS), dass er sich die schrittweise Einführung einer Nullemissionszone auf der Hauptplatzoberfläche vorstellen könne. Gemeinderat Andreas Bors (FPÖ) reagierte mit einer Aussendung unter dem Titel „Hauptplatz darf nicht autofrei werden!“

Zwischen diesen Positionen gibt es viel Spielraum oder soll es überhaupt in eine ganz andere Richtung gehen? Wir fragten bei den sechs im Gemeinderat vertretenen Fraktionen nach, welche Vision sie für den Hauptplatz im Jahr 2030 haben.

„Nur noch Zufahrt zur Tiefgarage und keine Durchfahrt mehr durch den Hauptplatz.“ Die Vision von Vizebürgermeister Rainer Patzl

Bürgermeister Peter Eisenschenk (TVP) sieht „die vorhandene Infrastruktur mit Tiefgarage samt einladender Oberfläche auf sehr hohem Niveau“ und: „Das wollen wir durch ergänzende Beschattungsmaßnahmen demnächst weiter erhöhen.“ Dies sei bereits im mittelfristigen Finanzplan abgebildet.

Eine Verbannung der Verbrennungsmotoren aus der Innenstadt könne er sich im Moment noch nicht vorstellen. Andererseits verbreiten sich klimafreundliche und emissionsarme Antriebssysteme immer stärker und Tulln werde im Bereich öffentlicher Verkehrslösungen mit dem Projekt LISA Vorreiter sein, um Alternativen zum klassischen Autoverkehr zu bieten.

Noch grüner ist die Vision von Vizebürgermeister Rainer Patzl. Die Grünen fordern eine echte Fußgängerzone im Bereich Wiener Straße/Rudolfstraße, eine autofreie Innenstadt und eine Reduktion der Oberflächenparkplätze auf ein notwendiges Minimum. „Das heißt: Nur noch Zufahrt zur Tiefgarage und keine Durchfahrt mehr durch den Hauptplatz“, sagt Patzl. Das mache den Platz lebendiger, wovon wiederum die Wirtschaft profitieren würde.

Mit Verbesserung der Parkmöglichkeiten

Als „Fußgängerzone mit erlaubtem Fahrrad- und Lieferverkehr, schattiger und mit mehr Grün“ sieht Stadtrat Hubert Herzog (SPÖ) den Platz 2030. Im Gegenzug müssten die Parkmöglichkeiten im Umfeld verbessert werden: In der Hauptplatzgarage sollte die Gratisparkdauer von 30 Minuten auf eine Stunde verlängert werden, für Beschäftigte, die aus Regionen einpendeln, die mit Öffis nicht gut erreichbar sind, solle es günstige Tarife geben.

Die Bürgerliste TOP sieht den Hauptplatz „auch im Jahr 2030 für jedermann/-frau frei zugänglich und befahrbar, um Einkäufe und Besorgungen zu erledigen“, sagt Gemeinderätin Lisa Judt. Dank „eklatanter Fehlplanung der Tullner Volkspartei“ sei der Platz im Sommer „eine Bratpfanne“. Es brauche Bäume und Sträucher bei den Sitzbänken, auch „mehr Radständer wären von Vorteil“.

Und warum reagierte die FPÖ so heftig? „Von den rund 7,2 Millionen Kraftfahrzeugen in Österreich sind nur etwas weniger als zwei Prozent elektrisch betrieben“, erklärt Bors, „eine Null-Emissionszone käme einem Fahrverbot gleich und würde den Hauptplatz autofrei machen.“ Umwelt- und Klimaschutz solle aber durch Anreize und Innovationen befeuert werden, nicht durch Verbote und Belastungen.

Gemeinderat Georg Brenner (NEOS) betont, dass es ihm nie um ein Verbot von Autos ging und selbst für eine Nullemissionszone gebe es Ausnahmeregelungen. Für 2030 hofft er auf eine solche Zone, in die die Einfahrt mit fossil betriebenen Kraftfahrzeugen nur mehr an einem oder ein paar Wochentagen möglich ist. Weiter sieht er „auf den Dachflächen der Umgebung viel Fotovoltaik oder Begrünung (auch der Fassaden).

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