Eulen zwischen Weinreben im Bezirk Tulln. Vogelwarte und „Wagrampur“ präsentieren vielversprechenden Pilotversuch.

Von Christa Wallak. Erstellt am 27. September 2020 (03:56)
Die Erhöhung desBestands an Steinkäuzen ist Wolfgang Pegler (Obmann „Wagrampur“),Richard Zink (Leiter der Außenstelle der ÖsterreichischenVogelwarte), Alfred Riedl (Gemeindebund-Präsident), der Rektorin der Veterinärmedizinischen Universität Wien,Petra Winter, und Mike Ulzer (Weinhof Ulzer) ein gemeinsames Anliegen.
Wallak

Bis in die 1970er-Jahre war der Steinkauz in Österreich weit verbreitet, jetzt ist er wegen des Verlusts von geeignetem Lebensraum vom Aussterben bedroht. Der Bestand wird nur noch auf etwa 100 Paare geschätzt, die überwiegend rund um Krems, entlang des Wagrams und im Schmida- und Pulkautal vorkommen.

Kooperation für „Comeback“ der kleinen Eulen

Die Vogelwarte der Veterinärmedizinischen Universität Wien mit ihrer Außenstelle in Seebarn und der Verein „Wagrampur“ haben sich die Wiederansiedlung der Steinkäuze zum Ziel gesetzt.

Diese kleine, gedrungene und kurzschwänzige Eule mit flachem Oberkopf, großen gelben Augen und weißen Streifen über den Augen benötigt Höhlen als Nistplätze, weil sie keine eigenen Nester baut.

Hier hilft die Vogelwarte mit Nistkästen, die auf breiten Ästen größerer Bäume oder an und in landwirtschaftlichen Gebäuden montiert werden können. Seine Beute, Käfer, Würmer, aber auch Mäuse und Kleinvögel findet der Steinkauz auf kurzrasigen Wiesen und Weiden.

Die Umwandlung von Streuobstwiesen, die Aufgabe von Beweidung und die Intensivierung des Ackerbaus reduzieren seinen Lebensraum.

Weinbaugebiete bieten sich als Ersatz an. „Weingärten mit kurzrasiger Vegetation zwischen den Rebzeilen sind für den Steinkauz gut geeigneter Lebensraum aus zweiter Hand. Hier findet der zum Teil tagaktive Kauz ideale Nahrungsflächen“, erklärt Richard Zink, der Projektleiter an der Vogelwarte.

Weingartenhütten als geschützte Nistplätze

Der Weinhof Ulzer in Seebarn engagiert sich bereits erfolgreich für den Erhalt der bedrohten Vogelart.

„In unserer Weingartenhütte wurde ein mardersicherer Nistkasten montiert. Steinkäuze haben dort ein neues Zuhause gefunden und heuer auch schon gebrütet“, berichtet Mike Ulzer. Außerdem wird demnächst ein Grüner Veltliner in der Edition „Steinkauz“ angeboten, aus dessen Verkaufserlös die Wiederansiedlungskampagne unterstützt wird.

Zink hofft nun, dass weitere Winzer, denen Nachhaltigkeit und Ökologie ein Anliegen sind, diesem Beispiel folgen und ihre meist leerstehenden Hütten in den Weingärten auch zur Anbringung von Nistkästen zur Verfügung stellen.

Immerhin war der Steinkauz im antiken Griechenland der Wappenvogel der Göttin Pallas Athene und ist dort heute noch auf der 1-Euro-Münze abgebildet.

Die Wiederansiedlung regional ausgestorbener Tiere ist ein komplexes Unterfangen und kann nur mit wissenschaftlicher Begleitung gelingen. Petra Winter, Rektorin der Veterinärmedizinischen Universität Wien, forciert daher die vogelkundliche Forschung am Standort Seebarn in Zusammenarbeit mit dem Gemeindebund und engagierten Winzern, damit zukunftsorientierte Schutzmaßnahmen für beinahe verschwundene Vogelarten wie den Steinkauz gesetzt werden können.