Bezirk Tulln: Maßnahmen zeigen bereits Wirkung. Die gesetzten Maßnahmen zur Eindämmung der Wildunfälle im Bezirk Tulln zeigen bereits Erfolge.

Von Helga Urbanitsch. Erstellt am 14. Oktober 2020 (03:40)
Symbolbild
Weingartner

Niederösterreich ist seit Jahren eines der Bundesländer mit dem größten Wildunfällen-Anteil. Durch gezielte Maßnahmen können aber immer mehr Unfälle verhindert werden.

„Insgesamt steigen die Wildunfälle, es steigt ja auch die Zunahme des Verkehrs, aber die gesetzten Maßnahmen beginnen zu wirken, wir haben jetzt Rückgänge zwischen 30 und 50 Prozent“, zeigt sich Bezirksjägermeister Alfred Schwanzer optimistisch.

„Hotspot der Wildunfälle im Bezirk ist mit Abstand die Südumfahrung, der Bereich war vor dem Bau der Straße Wildgebiet.“ Bezirksjägermeister Alfred Schwanzer

Dabei ist das Niederwild besonders betroffen, am meisten die Hasen, dann das Rehwild, „das immer extrem panisch reagiert“, weiß Schwanzer.

Wolfgang Steiner vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft an der Boku spricht von 600 Unfällen mit Rehwild pro Jahr im Tullner Bezirk. Die Datensätze dazu sind aber relativ schwach: „Das ist nur die Spitze des Eisberges, die Dunkelziffer ist deutlich höher, weil viele Wildunfälle gar nicht gemeldet werden.“

Viele Straßen im Bezirk sind schon mit Reflektoren ausgestattet, die auch vom Land gefördert werden. Das Projekt wurde gemeinsam mit der Landesstraßenverwaltung bereits 2008 gestartet.

„Die neuen Reflektoren strahlen in jede Richtung, und zwar mit blauem Licht, das wird von den Rehen besser wahrgenommen“, erklärte Hegeringleiter Robert Klinger. Dabei werden auch schrille Geräusche abgegeben, die aber für das menschliche Ohr nicht hörbar sind.

Insgesamt 8.000 Reflektoren, von Solarzellen gespeist, sind im Tullner Bezirk im Einsatz, auf ca. 150 km Streckenlänge. In ganz Niederösterreich sind rund 100.000 dieser Wildwarngeräte aufgestellt.

8.000 Reflektoren auf 150 km Straßenlänge

Die Wartung gestaltet sich dabei recht aufwendig, denn „alle 33 Meter steht ein Parierpflock mit einem Reflektor, fällt einer aus, ist in der Lichterkette ein schwarzes Loch, das die Rehe nützen“, so der Hegeringleiter.

Trotz der relativ guten Wirksamkeit der Strahler, „gibt es keinen ‚Wunderwuzi-Reflektor‘, man muss die Spreu vom Weizen trennen, denn die Reflektoren müssen nicht nur wirksam, sondern auch straßenrechtlich konform sein“, informiert Steiner.

Eine weitere Maßnahme zur Eindämmung der Wildunfälle ist die Versetzung der Fütterungsstellen, weiter weg von der Straße. Auch „ein unattraktives Gras“, das dem Wild absolut nicht schmeckt, weil es zu hart ist, wird angebaut.

NOEN

Bestens bewährt haben sich auch bauliche Maßnahmen, wie zum Beispiel die Unterführung bei der Autostraße in Michelhausen. „Dieses Thema wird künftig bei jeder Bauverhandlung von Neuprojekten berücksichtigt werden“, betonte Hegeringleiter Klinger.

„Hotspot der Unfälle ist mit Abstand die Südumfahrung. Dieser Bereich war vor dem Bau der Straße Wildgebiet“ erklärt Bezirksjägermeister Schwanzer.

Jeder Wildunfall muss gemeldet werden

„Im Prinzip sind alle stark befahrenen Landes- und Bundesstraßen, sowie Straßenabschnitte mit angrenzenden Feldern, Waldstücken und Augebieten etwas stärker betroffen“, informiert Bezirksinspektor Bernhard Schilcher.

Jeder Wildunfall muss gemeldet werden, auch wenn kein Schaden am Fahrzeug entstanden ist.

Bezirksinspektor Schilcher spricht von 588 Wildunfällen im heurigen Jahr. „Die Tendenz gegenüber den Vorjahren ist gleichbleibend bis leicht rückläufig.“

Vorsichtiges Fahren sowie die Geschwindigkeit anpassen, bremsbereites Fahren und besondere Aufmerksamkeit in der Dämmerung, in der Nähe von Wäldern und weitläufigen Feldern hilft, Unfälle zu vermeiden.

Bezirksinspektor Schilcher dazu ergänzend: „Ein Wildtier kommt selten allein, man muss auch immer auf nachfolgende Tiere achten, das Lenkrad aber dabei nicht verreißen, bei Vollbremsung festhalten und versuchen, in der Fahrspur zu bleiben, um nicht auf die Gegenverkehrsseite zu kommen.“

Außerdem können Wildtiere von beiden Seiten kommen, man sollte nicht nur den rechten, auch den linken Straßenrand beachten.

Für Autofahrer können die Folgen eines Wildunfalls oft enorm sein. „Bei einer Teilkasko-Versicherung ist der Wildschaden abgedeckt“, erklärte Annemarie Hein von der Uniqa in Tulln.

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