Wirtschaftsoffensive. Online-Plattform und projektbezogener Förderung will die Stadtgemeinde Anreize bieten.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 02. Juli 2014 (08:14)
Die Agrana ist mit Zuckerfabrik, Zuckerforschung und Co der aktuell größte Kommunalsteuerzahler der Stadtgemeinde Tulln.
NOEN, Peischl
Die Stadtgemeinde forciert seit Jahren Maßnahmen für ein strategisches Standortmarketing – von der Belebung der Innenstadt bis zur laufenden Weiterentwicklung von Campus, Technopol und Messe. Jetzt soll mit verbessertem Unternehmensservice und einer neuen Web-Plattform eine Wirtschaftsoffensive gestartet werden.

„Wir haben ein sehr erfolgreiches Bürgerservice, jetzt wollen wir auch das Unternehmerservice noch besser gestalten“, betont Bürgermeister Peter Eisenschenk. Das erfolge nicht mit einem Schnellschuss, sondern nach monatelangen Vorbereitungsarbeiten.

Zuständig dafür sind Stadtamtsdirektor Viktor Geyrhofer und Abteilungsleiter Robert Gutscher. „Wir wollen alle Unternehmen unterstützen“, betont Geyrhofer, „egal ob bestehende, beispielsweise bei Betriebserweiterungen oder in der Kommunikation, oder neue Unternehmen etwa bei der Wahl des optimalen Standortes.“ Ein zentrales Element sei auch die Vernetzung am Standort, hier habe es bereits einen sehr erfolgreichen Branchenstammtisch für die Biotech-Unternehmen Tullns gegeben.

„Ein zentraler Ansprechpartner für den Behördenkontakt zwischen Betrieben und Stadtgemeinde bietet einfach mehr Effizienz und Effektivität — den Zeit ist für die Unternehmen Geld.“ Harald Schinnerl

Auf www.tulln.at/wirtschaft gibt es ab sofort alle wirtschaftsrelevanten Daten und Fakten zur Bezirkshauptstadt, vor allem aber auch die Ansprechpartner zu allen wesentlichen Fragen. „Die Plattform ist DAS wesentliche strategische Werkzeug“, betont Gutscher. Als Offline-Einstieg hat die Stadt zusätzlich einen übersichtlichen Folder gestaltet.

„Campus und Technopol sind zweifellos sehr wichtig, aber Tulln hat eine Vielzahl an sehr erfolgreichen Unternehmen“, ergänzt Bürgermeister Eisenschenk. Er verweist unter anderem auf die Agrana als stärksten Kommunalsteuerzahler der Stadt oder auch auf Schinnerl-Metallbau, die boomende Firma von Vizebürgermeister Harald Schinnerl.

Beim Summernight Shopping 15.000 Euro aufgebracht

Der betont, dass Tulln noch vor wenigen Jahren Kaufkraftabflüsse zu verzeichnen hatte. „Die Errichtung unseres Einkaufszentrums Rosenarcade in der Innenstadt war die richtige Entscheidung“, so Schinnerl, „in der jüngsten Kaufkraftstromanalyse liegen wir an der ersten Stelle. Tulln erwirtschaftet im Einzelhandel 208 Millionen Euro, obwohl wir nur über eine Kaufkraft von 120 Millionen Euro verfügen.“

Der Vizebürgermeister erinnert weiters an die projektbezogene Wirtschaftsförderung von bis zu 50 Prozent. So wurden etwa beim Summernight Shopping 15.000 Euro zur Finanzierung der gigantischen Lasershow von Betrieben aufgebracht. Die restlichen 15.000 Euro übernimmt die Stadtgemeinde Tulln. Die Initiative dazu geht auf das Netzwerk Tullner Innenstadthandel zurück, dass Schinnerl gemeinsam mit Stadtrat Ludwig Buchinger gründete.

Zahlen, Fakten, Infos

Tulln ist eine der dynamischsten Städte des Landes. Belegt wird das nicht nur durch starkes Bevölkerungswachstum (von 2002 auf 2013 um 13 Prozent), sondern auch durch einen Anstieg bei den Kommunalsteuereinnahmen von 2000 bis 2012 um 37 Prozent.

Die Zahl der Betriebsstätten am Wirtschaftsstandort Tulln ist von 2000 bis 2013 um 58 Prozent von knapp über 700 auf über 1.100 angestiegen. Damit befindet sich ein Viertel aller Betriebsstätten des Bezirkes auf dem Gebiet der Stadtgemeinde.

Die Zahl der Beschäftigten ist analog zur Zahl der Betriebsstätten angestiegen. Derzeit gibt es rund 11.000 Arbeitsplätze in Tulln.

4.465 Auspendlern stehen 7.959 Einpendler gegenüber, die Stadt kann also eine positive Pendlerstatistik vorweisen.

Standortmarketing: Tulln setzt auf ein Vier-Säulen-Modell mit den Schwerpunkten Garten, Kunst (Schiele/Bühnenstadt), Donau und Wissenschaft/Messe.

Im Bereich Campus Tulln Technopol wurden insgesamt bereits 700 Arbeitsplätze geschaffen. Vor kurzem wurde die dritte Ausbaustufe des Technologiezentrums Tulln fertiggestellt.

Info: www.tulln.at

www.tulln.at/wirtschaft

 

Harald Schinnerl