Viel Lärm rund ums Fahrende Volk in Tulln. Große Gruppe von Roma siedelt bis Ende Juli an der Südumfahrung. Polizei verzeichnete Beschwerden, aber nur ein mögliches Delikt.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 22. Juli 2020 (04:31)
Wohnwägen so weit das Auge reicht im Areal zwischen Südumfahrung und Zuckerfabrik. Die geschützte Volksgruppe kündigt ihre Aufenthalte in Tulln mittlerweile an, verhindert werden können diese laut Stadtgemeinde nicht.
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Es ist nicht das erste Mal und es wird auch nicht das letzte Mal sein, dass sich fahrendes Volk kurzzeitig in der Bezirkshauptstadt niederlässt. Die vorläufige Bilanz diesmal: große Aufregung und viel Lärm um ihren Aufenthalt, aber bislang nur ein mögliches Delikt.

Bei der Stadtgemeinde kennt die Thematik niemand besser als Christian Holzschuh. „Ich bin seit mehr als drei Jahrzehnten bei der Gemeinde beschäftigt und habe von Anfang an auch immer wieder mit Aufenthalten des fahrenden Volkes zu tun“, sagt der heutige Leiter der Abteilung Sport- und Freizeitbetriebe, Veranstaltungsmanagement. Über die Jahre gelang es ihm, Kontakte aufzubauen, sodass man heute auf Augenhöhe miteinander sprechen könne. Aufenthalte der Gruppe auf Parkplätzen in Aubad-Nähe hatten sich problematisch gestaltet, daher wechselte man auf die Freifläche/den Messeparkplatz an der Südumfahrung.

Vor etwa eineinhalb Monaten meldeten sich die Roma. Angekündigt wurden 50 bis 70 Wohnwägen, geworden sind es etwa 150. „Wir stellen Infrastruktur, also unter anderem Mülltonnen, einen 5.000-Liter-Tank, der im Bedarfsfall aufgefüllt wird, Verkehrszeichen und Absperrungen zur Verfügung. Das wird alles im Voraus bezahlt“, erklärt Holzschuh weiter. Er selbst war gemeinsam mit zwei Polizeistreifen auf Antrittsbesuch in der Wagenburg. Seitdem ist Holzschuh mindestens zweimal täglich in telefonischem Kontakt mit einem Sprecher der Gruppe: „Er fragt mich, ob so weit alles in Ordnung sei, und ist wirklich sehr bemüht.“ Der Abteilungsleiter versteht Sorgen der Bevölkerung, mit denen er in hunderten Telefonaten konfrontiert wurde, betont aber: „Wir versuchen gemeinsam, das so menschlich wie möglich über die Bühne zu bringen.“ Die Abreise der Gruppe wurde übrigens bereits für Sonntag, 26. Juli, angekündigt.

„Wir stellen Infrastruktur, also unter anderem Mülltonnen, einen 5.000-Liter-Tank, der im Bedarfsfall aufgefüllt wird, Verkehrszeichen und Absperrungen zur Verfügung. Das wird alles im Voraus bezahlt“

Auch bei der Polizei ging eine Flut von Anrufen ein. „Die Menschen sind nervös“, bestätigt Chefinspektor Josef Gurschl vom Bezirkspolizeikommando. Das fahrende Volk bietet verschiedene Dienstleistungen, etwa Fassadensanierungen, an. Die Exekutive führte zig Kontrollen durch, aber es habe nichts Konkretes und weder Diebstähle noch Einbrüche gegeben. „Sehr viel Lärm um nichts“, sagt Gurschl und setzt nach: „bis auf eine mögliche Ausnahme.“ Beim Teich des VÖAVF Tulln, der sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Wohnwagen-Lagers befindet, wurde zweimal der Zaun aufgeschnitten, nachdem der Romagruppe das Fischen am Privatteich verwehrt worden war. „Der Verdacht liegt nahe, aber das wird vermutlich ungeklärt bleiben“, sagt Gurschl. Klaus Maseck, Obmannstellvertreter der Fischer, ist verärgert: „Wir sind jetzt selbst nachts auf Patrouille gegangen. Wie kommen wir dazu, unser Eigentum so schützen zu müssen. Und wer ersetzt uns den Zaunschaden?“

Hier hakt Andreas Bors (FPÖ) ein: „Wer die Gastfreundschaft der Stadtgemeinde Tulln mit Füßen tritt, hat sein Gastrecht verloren!“ Auch Michael Hanzl (TOP) meldete sich kritisch zu Wort: Es sei unverständlich, dass in Corona-Zeiten Massencamping ohne grundlegende Hygienestandards erlaubt werde.