„Lustiger Bauer“ schließt nach 30 Jahren. Aus für Gasthaus in Zeiselmauer-Wolfpassing: Norbert C. Payr verabschiedet sich in den Ruhestand. Das historische Gebäude wird vom Käufer nur noch als privates Wohnhaus genützt.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 24. März 2021 (04:12)
Ein letztes Achterl am Stammtisch im gemütlichen Schankraum. Vom Bild an der Wand lächelt Ex-Gattin Angelika Jensen, die auch nach der Scheidung 2004 bis 2019 als Weinexpertin im Betrieb mitwirkte. Die NÖN begleitete die Geschichte des „Lustigen Bauern“ von Anfang an - links als Bild im Bild der Eröffnungsbericht unserer damaligen Treffpunkt-Lady Jutta Schmid.
Peischl

Mit dem Gasthof „Zum lustigen Bauern“ verliert der Bezirk eine kulinarische Institution. Seit 1991 hatte Norbert C. Payr hier mit regionalen und saisonalen Produkten auf hohem Niveau für seine Gäste gekocht.

Jetzt verabschiedet sich der 61-Jährige in die Pension, ein Schritt den die Corona-Krise zwar nicht ausgelöst, wohl aber ein wenig beschleunigt hat. Mangels gastronomischer Nachfolge verkaufte Payr das historische Gebäude. Es wird vom Käufer künftig nur noch als privates Wohnhaus genützt. „Man eröffnete mit vielen Ideen im Kopf, die meisten davon konnten sogar umgesetzt werden, und auf einmal rückblickend sind 30 Jahre vorbei und selber ist man auch schon über 60 Lenze!“, schreibt Payr in seinem letzten Newsletter, „hier wurde gelacht – diskutiert – getrauert – geträumt.“

Der Gasthof „Zum Lustigen Bauern“ ist ein historisches Gebäude, das von 836 bis 1645 Passauer Bischofssitz war. Danach wurde es ein Beherbergungs- und Bewirtungsbetrieb. Seit 1849 war es im Familienbesitz, bei Norbert C. Payr zuletzt in der fünften Generation. 
Monika Gutscher

Nicht weniger emotional gerieten die vielen Antworten, die er darauf erhielt: „Zuerst konnte ich sie ja gar nicht lesen, so aufgewühlt war ich. Aber letztlich sind sie eine Bestätigung, die mehr wert ist als zehn Hauben.“ Der Abschied war ganz anders geplant. Wäre das Gasthaus geblieben, dann hätte es eine feierliche „Pfandlübergabe“ gegeben. „Es wäre mir auch lieber gewesen, mich von den Gästen in gediegener Atmosphäre bei einem Essen verabschieden zu können“, betont Payr. Corona-bedingt wurden die letzten Gäste im Lustigen Bauern im Oktober 2020 bewirtet und im November wurde geschlossen.


Jüngster Haubenkoch mit viel Wirtshauskultur

„Gefühlsmäßig hab ich schon damals gesagt, dass die Gastro vor Ostern nicht mehr aufsperrt“, sagt Payr. Was jetzt in Vorarlberg möglich ist, das sei nicht mehr als ein Strohfeuer. „Welche Branche kann es sich leisten, von März 2020 bis März 2021 sieben Monate geschlossen zu halten?“, fragt sich Payr, „wohin die Gastronomie jetzt geht, das weiß keiner.“

Aber gehen wir zurück zum Beginn. Payr startet seine Kochlaufbahn 1974 als Lehrling im Zipfer Bierhaus in Salzburg, später kocht er unter anderem im legendären Axelmannstein in Bad Reichenhall, lernt von Eckart Witzigmann und wird im Grand Hotel Zell am See mit 23 Jahren jüngster Haubenkoch Österreichs. Mit seiner ersten Gattin Angelika Jensen will er den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, eigentlich in Westösterreich. Aber dann entscheidet sich das Paar doch für Payrs Elternhaus in Zeiselmauer, das seit mehr als 100 Jahren gastronomisch genutzt wird.

Schon ein Jahr nach der Eröffnung wird der nunmehrige Gasthof „Zum Lustigen Bauern“ vom Gault Millau mit einer Haube ausgezeichnet, die er bis zuletzt behält. Die Qualität begeistert auch Prominenz aus Kultur, Politik, Sport und Wirtschaft, was man aber nie groß vermarktet.

„Jetzt kann ich endlich etwas mit Freunden unternehmen“

Payr ist von Anfang an in der Wirtshauskultur NÖ aktiv, 25 Jahre im Vorstand, entwickelt die Wirtshaus-Zeitung und Initiativen wie „Donau.Fisch.Wein“ mit. Ein großes Anliegen ist ihm das historische Römer-Erbe in Zeiselmauer, ab 2001 bietet er Römer-Abende mit passenden Gerichten und Führungen zu den Mauer- und Gebäuderesten im Ort an. „Im Rückblick sieht man erst wieder, was man in 30 Jahren alles gemacht hat“, sagt Payr jetzt. Langweilig wird ihm aber auch in Zukunft nicht, „jetzt kann ich endlich etwas mit Freunden unternehmen.“ Eine große Stütze war ihm im letzten, von Corona geprägten Jahr, seine zweite Frau Ruth, mit der er jetzt endlich entspannte Wochenenden verbringen kann.

Was Payrs eigene Kinder angeht: Sohn Maximilian hat nach Abschluss der Montanuni seine eigene Firma „Smart Garden“ gegründet, Tochter Julia strebt eine Unteroffizierslaufbahn bei Bundesheer oder Polizei an.