Brütendes Kaiseradlerweibchen bei Tulln angeschossen. In der Nähe von Tulln ist ein brütendes Kaiseradlerweibchen angeschossen worden. Der Vogel war nach Angaben von BirdLife vom Donnerstag von neun Schrotkugeln getroffen worden. Der Zustand des Tieres wurde dennoch als stabil beschrieben.

Von APA / NÖN.at. Update am 10. Juni 2021 (14:48)
Das angeschossene Kaiseradlerweibchen
Matthias Schmidt/BirdLife

Gefordert wurden von der Organisation nach dem Vorfall vom Montag Konsequenzen, außerdem wurde Anzeige erstattet.

Das angeschossene Kaiseradlerweibchen
Matthias Schmidt/BirdLife

Das in den Tullnerfelder Donauauen brütende Kaiseradlerweibchen musste laut BirdLife zwei fünf Wochen alte Jungtiere im Horst zurücklassen. Der verletzte Greifvogel war von Passanten geborgen und in der von Vier Pfoten geführten Eulen- und Greifvogelstation Haringsee (EGS) im Bezirk Gänserndorf erstversorgt worden. Vorerst unklar sei, "ob der Kaiseradler jemals wieder in die Freiheit entlassen werden kann und ob der verbliebene Elternvogel die Jungen alleine aufziehen kann", hieß es in einer Aussendung.

BirdLife wertete die Schüsse als bedrohlich für den "fragilen Bestand der rund 30 brütenden Kaiseradlerpaare in Österreich". Anzeige wegen vorsätzlicher Schädigung des Tier- oder Pflanzenbestandes (Paragraf 181f Strafgesetzbuch) wurde eingebracht. Gefordert wurden u.a. eine Reform des Jagdrechts sowie - Stichwort Strafverfolgung - auf Wildtierkriminalität spezialisierte Sonderstaatsanwaltschaften.

Schockiert über diesen Vorfall zeigt sich auch Bezirksjägermeister Alfred Schwanzer: „Es ist bekannt, dass es in diesem Gebiet seit etwa drei Jahren ein Kaiseradler-Pärchen gibt. Weder der mir sehr gut bekannte Jagdpächter noch der Aufsichtsjäger in diesem Revier würden auf diese Tiere schießen!“ Die Jägerschaft habe kein Problem mit großen Greifern. „Wir haben nichts gegen Adler. Wir würden sie nicht einmal schießen, wenn sie freigegeben wären, weil es einfach viel zu wenige gibt“, betont Schwanzer, „kurz: Das ist ein No-Go, und wenn wir jemanden erwischen, der auf diese Tiere schießt, wird er angezeigt und von der Jägerschaft ausgeschlossen.“