„Zwei Jahre habe ich durchgesoffen“. 56-Jähriger sackte Jacke ein. „Konfisziert, ich ermittle in einem Mordfall!“, erklärte er der Verkäuferin und drohte Polizisten.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 02. Juli 2014 (08:08)
Alkoholmisbrauch
NOEN, Erwin Wodicka/wodicka@aon.at
„Ich gehöre bestraft, bin aber unschuldig. Ich war so betrunken, kann mich an nichts erinnern. Zwei Jahre habe ich durchgesoffen, von morgens bis abends!“, sagt ein Tullner im Prozess am Landesgericht St. Pölten. Exekutivbeamte hielt er mächtig auf Trab, nun sitzt der 28 Mal Vorbestrafte wieder auf der Anklagebank.

In einem Einkaufszentrum in Tulln randalierte der 56-Jährige mit 2,2 Promille im Blut. Seine Identität festzustellen, gestaltete sich damals für die Polizisten schwierig. Der Tullner trat mit Füßen gegen einen Beamten, verfehlte jedoch sein Ziel. „Es war eine Luftmasche“, erklärt ein Ordnungshüter im Prozess am Landesgericht St. Pölten.

Im Streifenwagen schlug der Angeklagte dann mit Händen zu und drohte im Wachzimmer. „Ich weiß, wo du wohnst. Ich werde deine Familie zerstören, ich war bei der Stasi und habe schon einige kaltgemacht“, wetterte der gebürtige Deutsche. Alles ist das noch lange nicht.

„Ich mach dich kaputt und morgen bist du tot!“

Als deutscher Kriminalbeamter gab sich der 56-Jährige in einem Modehaus in Tulln aus. „Ich ermittle in einem Mordfall, die Jacke muss ich konfiszieren“, erklärte er einer Verkäuferin, schnappte sich das Bekleidungsstück und marschierte von dannen. Am Hauptplatz in Tulln wurde er dann geschnappt. Ob er auch Fahrräder gestohlen hat? „Die Zeugen lügen!“, meint er dazu vor Richter Slawomir Wiaderek.

Starke Worte schmiss der Angeklagte auch einem Wirten entgegen, als dieser ihn wegen Lokalverbots hinausbefördern wollte. „Ich mach dich kaputt und morgen bist du tot!“, drohte er dem Gastronomen.

Wegen Vergehens des tätlichen Angriffs auf einen Polizisten, gefährlicher Drohung und Diebstahl setzt es für den Unbelehrbaren acht Monate gesiebte Luft, vier Monate bereits bedingt verhängte Strafe werden widerrufen. Zwölf Monate soll der Tullner nun insgesamt absitzen. Ob er das Urteil annimmt? „Überleg ich mir noch!“, sagt er. Nicht rechtskräftig.