Für Veränderung ist Zeit kein Qualitätskriterium. SCHULBEGINN / Das Problem der geburtenschwachen Jahrgänge: Schülerzahlen gehen in den Hauptschulen dramatisch zurück. Lehreranzahl kann aber gehalten werden.

Erstellt am 30. August 2011 (08:00)
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Die Akten stapeln sich wieder am Schreibtisch von Bezirksschulinspektor Leopold Schauppenlehner: „Ein sicheres Zeichen, dass das kommende Schuljahr nicht mehr fern ist.“EPLINGER
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VON CHRISTIAN EPLINGER

BEZIRK / Mit 5. September fällt der Startschuss ins neue Schuljahr. 475 Kinder werden an diesem Montag in den 15 Volksschulen des Bezirks erstmals die Schulbank drücken. Die meisten Taferlklassler haben einmal mehr die Volksschulen Wieselburg (71) und Purgstall (63). Dennoch stiegen in den letzten Jahren die Zahlen der Schulanfänger wieder in die Höhe, gibt es heuer einen leichten Knick. „Wir haben nach derzeitiger Meldung insgesamt um 29 Taferlklassler weniger als noch im Vorjahr“, weiß Bezirksschulinspektor Leopold Schauppenlehner.

Nichtsdestotrotz steigt die Gesamtschüleranzahl in den Volksschulen und damit auch die Klassenanzahl. So gibt es in Gaming, Randegg, Reinsberg und Steinakirchen jeweils eine zusätzliche Volksschulklasse. Dafür verlieren Lunz und Purgstall jeweils eine Klases.

75 Hauptschüler und zwei  Hauptschulklassen weniger

„Es fallen geburtenschwächere Jahrgänge aus der Volksschule heraus. Das ist zwar positiv für die Volksschulen, wirkt sich umgekehrt natürlich aber negativ bei den Hauptschulen aus“, erklärt Schauppenlehner. Gleich 75 Schüleranmeldungen weniger verzeichnen die zehn Hauptschulen im Bezirk gegenüber dem Vorjahr. Das bedeutet auch einen Rückgang bei den Klassen. In Gaming, Göstling und Steinakirchen gibt es jeweils eine Hauptschulklasse weniger, dafür kommt in der Neuen Mittelschule Purgstall eine Klasse dazu.

„Trotz des Schülerrückgangs konnten wir die Zahl der Lehrkräfte halten. Denn rein rechnerisch hätten 70 Hauptschüler weniger auch die Streichung von sieben Dienstposten bewirkt“, weiß Schauppenlehner. Die zwölf Pensionierungen konnten allesamt nachbesetzt werden. „Wir haben heuer elf Neuanstellungen und drei Versetzungen in unseren Bezirk hinein, bei nur einem Abgang. Allerdings gibt es gerade im Hauptschulbereich heuer mehr Teilzeitkräfte als im Vorjahr“, sagt Schauppenlehner.

„Import“ von VS-Lehrern, in  der Region gibt es zu wenig

Im Volksschulbereich musste man im Bezirk sogar auf Lehrkräfte aus den Bezirken Krems und St. Pölten zurückgreifen. „Wir haben derzeit zu wenig Volksschullehrer bei uns. Vielleicht ist das ja ein Anreiz, dass wieder mehrere diese Berufslaufbahn ergreifen“, lächelt Schauppenlehner.

Fünf neue Direktoren oder  betraute Schulleiter

Personalmäßig gehen gleich fünf Schulen mit neuen Direktoren beziehungsweise betrauten Schulleitern in das neue Schuljahr (die NÖN berichtete). Manuela Gutlederer und Ruth Brüller sind die neuen Direktorinnen der Volksschulen Purgstall und Scheibbs, Josef Nemecek folgt als Göstlinger HS-Direktor. Mit der Schulleitung der VS St. Anton und VS Puchenstuben betraut wurde Heidelinde Berger. Franz Winter ist vorerst Leiter der Sonderschule Rogatsboden. Ebenfalls weiterhin nur mit der Schulleitung betraut bleiben so wie bereits im Vorjahr Irmtraud Prinz (VS St. Georgen/Leys), Martin Hörmer (VS Gaming) und Renate Lengauer (Sonderpädagogisches Zentrum Scheibbs). „Ich hoffe allerdings, dass die Direktorsposten für das SPZ Scheibbs und die ASO Rogatsboden heuer neu ausgeschrieben werden, da sie doch zwei sehr spezielle und umfangreiche Leitungsposten sind“, betont Schauppenlehner.

Thema Nummer 1: Der  Weg zur Neuen Mittelschule

Inhaltlich kennzeichnet der Weg von der Hauptschule hin zur Neuen Mittelschule das Schuljahr 2011/12 - und wahrscheinlich nicht nur dieses. Neben Purgstall gibt es heuer mit Randegg die zweite Neue Mittelschule im Bezirk. Weitere Hauptschulen haben sich als Modellschulen gemeldet, um 2012/13 zur Neuen Mittelschule zu werden. „In ganz Niederösterreich wollen heuer rund 150 Schulen solche Modellschulen werden, doch nur rund 50 davon werden vom Landesschulrat auserwählt. Die Entscheidung, wer dabei ist, fällt bis Mitte Oktober“, weiß Schauppenlehner und hofft, dass zumindest ein oder zwei Schulen aus den Bezirk den Sprung in diesen Pool schaffen.

Für ihn ist aber wichtig, dass die Schulen sich auf Veränderungen einlassen. „Für eine Veränderung darf Zeit kein Qualitätskriterium sein. Haltungen und Einstellungen von Lehrern kann man nicht von heute auf morgen ändern. Man muss den Schulen Zeit geben. Wir von der Schulbehörde werden versuchen, sie ruhig aber gezielt dorthin zu führen“, sagt Schauppenlehner. Daher werden die Bereiche Teamteaching, individualisiertes Lernen, innere Differenzierungen und alternative Leistungsbeurteilung pädagogische Schwerpunkte in den nächsten Jahren - auch bei der Lehrerfortbildung - bleiben.