Eine Lebensgeschichte. Die 15jährige Nadine Menner setzte sich mit ihrer traurig-schönen Geschichte gegen viele andere Teilnehmer durch und gewann einen der vier Preise.

Von Victoria Heindl. Erstellt am 25. Juni 2014 (14:35)
NOEN, Heindl
Nicht nur für ihre einfühlsame Geschichte bekam Nadine Menner (Mitte) großen Beifall von Stadträtin Maria Theresia Eder (l.) und Patricia Brooks (r.). Auch beim Talentwettbewerb der NÖN überzeugte sie mit ihrem künstlerischen Können.

KLOSTERNEUBURG / Nadine Menner besucht die Polytechnische Schule in Klosterneuburg. Aber vor allem ihre Kreativität überzeugt, sowohl beim Schreiben als auch beim Talentewettbewerb der NÖN.

Eine Lebensgeschichte

(...) Es war wiedermal wie ein Albtraum gewesen. Ich hatte seit einiger Zeit diese verstörenden Momente, wo ich Stimmen hörte oder Dinge sah, die es gar nicht gab. Oder wo Dinge passierten, die nicht normal waren, und egal, wem ich sie erzählte, keiner wollte mir glauben! Meine eigenen Eltern wollten mich zum Psychiater schicken.

Zeitsprung:

Ich war neun Jahre alt, und wir wollten gerade von einem Urlaub in Kroatien nachhause fahren — ja mit dem Auto, dauert zwar lange, ist aber ziemlich praktisch. (...) Das Letzte, was ich gescheit mitbekam, war der hellblaue Lkw, der uns entgegen kam. Er rammte uns. Neben uns war die Leitplanke, an der wir schon streiften. „Mama, was passiert hier? Mama, mach doch was, hilf mir“, schrie ich mit zittriger Stimme. Doch meine Mutter saß vorne und krallte sich in die Sitzlehne. Dann fielen wir .... Ich wollte die Augen öffnen, ich fühlte mich bereit zum Wegfliegen. Mein ganzer Körper vibrierte. Es fühlte sich an, als würde ich auf lauter kleinen Kugeln liegen, und es schien, als würden die Kugeln versuchen, mich zuzudecken. Doch der graue Schleier, der sich über mein Blickfeld gelegt hatte, wollte nicht verschwinden, er hüllte meine Gedanken ein und wiegte sie leise wie zu einem Schlaflied. Die Melodie wurde leiser, vor meinen Augen verdunkelte sich alles genau so, wie es sich auf einem wolkenbedeckten Himmel verdunkelte, auf dem sich alles auf ein Gewitter vorbereitet, mein Himmel wurde dunkler und dunkler. Dann war alles schwarz, und ich fiel endlos lange.

Ich schlug die Augen auf, und mein Körper zitterte wie nach einem Stromschlag. „Sie lebt“, hörte ich eine männliche Stimme schreien. Ich wollte mich aufsetzen, doch ich konnte mich nicht bewegen. Wie gelähmt. Wie festgebunden, als wäre mein Körper mit Alleskleber befestigt worden. Kurze Zeit später merkte ich die schleichende Kälte, die sich überall an mir ausgebreitet hatte, ich fühlte mich nass und die Kleidung klebte mir am Körper. Dann. Alle Erinnerungen kamen zurück: der Lkw, meine Mutter, die nicht reagierte, sondern sich nur verzweifelt in den Sitz krallte und die ganze Zeit sagte, es ist aus, jetzt ist alles aus. Sekunde, wo waren meine Eltern? Ich sah nun ganz klar und wusste nun, wo ich mich befand. Neben mir werkten Krankenschwestern an diversen Geräten herum, und ich war komplett mit Schläuchen zugekabelt. „Wie geht es dir?“, fragte mich eine Stimme. Neben mir saß ein Arzt und sah mich an. „Wie bitte?“, sagte ich verwirrt. Er wiederholte seine Frage. „Ich weiß es nicht, Herr Doktor. Wo sind meine Eltern? Und wo ist Buttercup?“ Buttercup war meine Hündin gewesen. Sie war mit gewesen in Kroatien, und jetzt fehlten mir ihr Bellen und ihr Schwanzwedeln. (...)