30 Jahre Imkerschule Warth. An der Landwirtschaftlichen Fachschule Warth fand der Festakt anlässlich des 30-jährigen Bestehens der NÖ Imkerschule Warth statt. Landesrat Dr. Stephan Pernkopf sprach in seiner Festrede von einer wichtigen Funktion der Imkerschule Warth bei der Ausbildung und Beratung der heimischen Imker.

Erstellt am 28. März 2011 (08:39)
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Festgäste bei der Jubiläumsfeier »30 Jahre Imkerschule Warth«. Die Personen v.l.n.r.: Präsident des Österreichischen Imkerbundes Ing. Johann Watschka, Direktor DI Wolf Wallner, Landesrat a. D. Franz Blochberger, Honigkönigin Petra Rauch, Landesrat Dr. Stephan Pernkopf, Dipl.-HLFL.-Ing. Karl Stückler, Leiter der Imkerschule, und Johann Gruscher, Obmann des NÖ Imkerverbandes.
„Im Laufe der letzten drei Jahrzehnte konnte sich die Imkerschule als Zentrum für die Facharbeiter- und Meisterausbildung in Österreich etablieren. Auch das Engagement bei den Jungimkern sowie die Abhaltung von Spezialseminaren ist für die Imkerei von großer Bedeutung“, betonte Landesrat Pernkopf. Dipl.-HLFL.-Ing. Karl Stückler, Leiter der Imkerschule Warth, gab einen geschichtlichen Rückblick der Entwicklung der Imkerschule von den bescheidenen Anfängen in Wr. Neustadt bis zur heutigen Situation, mit einem umfangreichen Kursprogramm und der Betreuung von rund 180 Bienenvölkern. Direktor DI Wolf Wallner, ehemaliger Leiter der Imkerschule, und Landesrat a. D. Franz Blochberger verwiesen in ihren Festansprachen auf die kontinuierliche Professionalisierung der Imkerausbildung und die einhergehende Qualitätssteigerung bei der Honigproduktion. Die heimischen Imker sorgen mit ihren Bienenvölkern für eine flächendeckende Bestäubung der heimischen Kulturpflanzen und sind damit unverzichtbare Partner der Landwirtschaft, die zur Steigerung der regionalen Wertschöpfung beitragen.
 
NÖ Imkerschule Warth: „Bienen-Zentrum“ mit Tradition

Im Jahr 1981 wurde die NÖ Imkerschule in Wr. Neustadt gegründet, deren Leiter DI Wolf Wallner war. Zu den Gründervätern zählt Landesrat a. D. Franz Blochberger, dem die Ausbildung der Niederösterreichischen Imker ein besonderes Anliegen war. Ab 1989 war dann die LFS Warth der Standort der Imkerschule, wo man die gesamte Infrastruktur der Schule bei Kursen und Veranstaltungen nutzen konnte. Die Leitung der Imkerschule übergab Direktor DI Wolf Wallner 1999 an Dipl.-HLFL-Ing.Karl Stückler. Bis dato wurden 415 Imkerfacharbeiter und 250 Imkermeister in Warth ausgebildet, was knapp die Hälfte aller Facharbeiter und Meister in Österreich ist.
Die Imkerschule betreut rund 180 Bienenvölker und kann durch die unterschiedlichen Standorte der Bienenstöcke fünf verschiedene Honigsorten erzeugen. Darüber hinaus werden auch Propolissalben bis hin zu Kerzen aus Bienenwachs und Seifen im Ab-Hof-Laden der LFS Warth verkauft. Neben der Honigerzeugung ist auch die Bienenzucht ein wichtiger Aufgabenbereich der drei Imkermeister Wolfgang Oberrisser, Alois Spanblöchl und Yasmin Zwinz. Es wird ausschließlich mit der heimischen Rasse „Carnica“ gearbeitet und gezüchtet. Mit selektiver Zuchtarbeit ist es gelungen eine langjährige Durchschnittsleistung von 40 Kilo pro Volk zu erzielen. Zusätzlich zu der Facharbeiter- und Meisterausbildung werden auch Kurse über „Bienenprodukte“, „Naturkosmetik“ und „Meterzeugung“ angeboten. In den letzten Jahren wurde ein Schwerpunkt auf die Ausbildung der Jungimker gelegt und unter dem Projekt „Bienenpädagogik„ werden Bienen-Schnuppertage für Volksschulen in ganz Niederösterreich durchgeführt.
 
Umfangreiches Rahmenprogramm

Anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten wurde ein Fachprogramm mit dem Bundesimkertag, dem Meistertreffen und dem Jungimkertreffen abgehalten. Auch für die Bezirke Neunkirchen und Wr. Neustadt wurde jeweils der Imkertag durchgeführt. Kulinarische Schmankerl aus der Buckligen Welt wurden von den Schülerinnen serviert und die Privatbrauerei „Haßbacher Braueck“ schenkte ihr „Holzbauerbräu“ aus. Eine Wein-, Schnaps- und Mostpräsentation sowie die Verkostung der Sieger der „Goldenen Honigwabe“ rundete das Programm ab. Die Firmen Hödl Imkereibedarf und Imkereibedarf Janisch stellten ihre Produkte aus.
 
22.000 Imker betreuen rund 300.000 Bienenvölker

Die Bienenhaltung ist nicht zuletzt aufgrund der Bestäubungstätigkeit der Tiere ein wichtiger Produktionszweig der Landwirtschaft. In Österreich halten rund 22.000 Imker etwa 300.000 Bienenvölker, typisch ist dabei die traditionelle kleinbetriebliche Struktur. Hauptsächlich wird die Imkerei von Nebenerwerbs- und Freizeitimkern betrieben, die in der Regel zwölf Völker bewirtschaften. Berufsimker mit mehr als 150 Völkern gibt es in Österreich nur sehr wenige. Die Imker sind in bundes- und landesweit tätigen Bienenzuchtverbänden organisiert, deren Dachorganisation der Verein „Biene Österreich“ ist.
70 Prozent des österreichischen Honigs werden in der Direktvermarktung abgesetzt, der Rest über Abfüllbetriebe beziehungsweise Händler. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Honig liegt hierzulande bei 1,3 Kilogramm pro Jahr. Die jährliche Produktion liegt zwischen 4.500 und 8.000 Tonnen, wobei der Ertrag stark vom Witterungsverlauf abhängt. Exportiert werden rund 600 bis 650 Tonnen.
 
Honigbienen sind die wichtigsten Bestäuber

80 Prozent der heimischen Kulturpflanzen werden durch Honigbienen bestäubt. Ein Forschungsprojekt an der Universität für Bodenkultur erbrachte beeindruckende Ergebnisse: Bei Pflanzen, die zur Bestäubung und somit zur Befruchtung und Samenbildung auf Insekten angewiesen sind, spielt die Honigbiene die maßgebliche Rolle und ist für eine effektive Nutzung dieser Kulturen unentbehrlich. Der zusätzliche Ertrag durch das Vorhandensein von Honigbienen beträgt bei Raps ca. 1.000 Kilo pro Hektar, bei Sonnenblumen ca. 800 Kilo; bei Kirschen konnte eine Ertragssteigerung um etwa 80 Prozent, bei Zwetschken von 30 Prozent und bei Marillen eine Verdreifachung des Fruchtansatzes nachgewiesen werden.
Honig ist als Heilmittel seit mehr als 5.000 Jahren bekannt und wird auch als Prophylaktikum und Energielieferant für Geist und Körper genutzt. Die Imker produzieren nicht nur Honig, sondern auch besonders wertvolle Zusatzprodukte wie Gelee Royale, Propolis, Bienenwachs sowie Gebirgs- und Blütenpollen.
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