Blümel: "Lehrer als Feindbild schadet der Bildung". Bezirkslehrervertreter Josef Blümel verteidigt seine Kollegenschaft gegen Angriffe bezüglich der Mehrarbeitsstunden.

Von Daniel Maier. Erstellt am 06. Mai 2015 (13:32)
NOEN, Maier
Zwei Stunden Mehrarbeit für Lehrer? Die Arbeitszeit setzt sich laut Josef Blümel nicht aus reiner Unterrichtszeit zusammen (Szene aus der VS Mannswörth).

Die zwei Stunden Mehrarbeit für Lehrer erregen die Gemüter – nicht nur bei den Pädagogen. Als Bezirkslehrervertreter stellt sich Josef Blümel schützend vor seine Kollegen und versucht so, den vielfach geschädigten Ruf der Lehrerschaft zu retten.

„Bevor man über zwei zusätzliche Arbeitsstunden spricht, muss man zunächst die Fakten festhalten: Die Arbeitszeit der Pflichtschullehrer ist in Jahresstunden festgelegt. Aufgeteilt ist diese Arbeitszeit in Unterrichtszeit und darüber hinausgehende Tätigkeiten, etwa Vor- und Nachbereitung, Korrekturen, Aufsichtsstunden, administrative Tätigkeiten als Klassenvorstand, Supplierungen, gesetzliche und freiwillige Fortbildungen, Kustodiate, Klassenforen, Schulfeste, Theaterbesuche, Exkursionen, Elternsprechtage, Kind-Eltern-Lehrer-Gespräche, Konferenzen, Sportveranstaltungen und mehrtägige Schulveranstaltungen“, zählt Blümel, der selbst an der NMS Gramatneusiedl unterrichtet, auf.

Somit sei eine Vierzigstundenwoche gegeben; er spricht von 1.000 Arbeitsstunden, die neben der regulären Unterrichtszeit (im Schnitt 776 Stunden im Jahr) geleistet werden.

„Populismus greift auf Schulthemen über"

Hart ins Gericht geht Blümel auch mit Wiens Bürgermeister Michael Häupl, der durch seine negativen Äußerungen („Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig“) ins Kreuzfeuer geriet: „Als Landeshauptmann oder Bürgermeister von Wien ist man gleichzeitig der höchste ,Lehrer‘ in seinem Bundesland, nämlich der Landes- oder Stadtschulratspräsident. Umso bedauernswerter sind daher seine völlig unsachlichen und inkompetenten Aussagen.“

Dementsprechend traurig sei es, wie Häupl seine Mitarbeiter beleidige und als Politiker in die unterste politische Schublade greife. „Was ist unsere politische Zukunft, wenn der Populismus nun auch Schulthemen überschwemmt?“, fragt Blümel sich abschließend, und weiter: „Der Lehrer als Feindbild ist ein katastrophales Statement für den Stellenwert der Bildung in unserem Land.“