Tschechische Delegation über aktiven Bodenschutz informiert. Anlässlich eines bilateralen Arbeitsübereinkommens fand am 9. und 10. Juli der Besuch einer tschechischen Agrardelegation in Niederösterreich statt, um sich über erosionshemmende Wirtschaftsweisen und den aktiven Grundwasserschutz zu informieren.

Erstellt am 16. Juli 2012 (09:08)
NOEN, Abteilung Landwirtschaftliche Bildung
Nationalrat Johann Höfinger (2. v. l.), der tschechische Landesrat Dipl.-Ing. Matejek (Mitte) und Dipl.-Ing. Dr. Josef Rosner (ganz rechts) mit der Agrardelegation.
„Die Agrarexperten zeigten sich von den bodenschonenden Bodenbearbeitungsmethoden in Niederösterreich beeindruckt. Gründeckenmanagement und Minimalbodenbearbeitung sind zentrale ökologische Aspekte des ÖPUL-Programmes, womit die Erosion deutlich verringert und die Erträge nachhaltig gesichert werden können“, betonte Landesrat Dr. Stephan Pernkopf. „In Niederösterreich hat die Vermeidung von Erosion und der Grundwasserschutz oberste Priorität. Nur durch verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen Boden und Wasser ist eine nachhaltige Landwirtschaft möglich“, so Pernkopf.
Der tschechische Landesrat Dipl.-Ing. Matejek besuchte mit der Delegation aus der Region Vysocina Direktsaatversuche in Tulln, Bodenbearbeitungsversuche in Hollabrunn und die Erosionsmessstellen der Universität für Bodenkultur und dem Land NÖ in Mistelbach und Pixendorf. Auch der landwirtschaftliche Betrieb Zaussinger, wo seit 13 Jahren wertvolle Erfahrungen im Bereich der Direktsaat im No-Till-Verfahren (keine Bodenbearbeitung) gemacht werden, stand auf dem Programm.
 
Schonende Bodenbearbeitung steigert Humusgehalt

Seit 1994 werden an den Landwirtschaftlichen Fachschulen Erosionsmessstellen betrieben, die verschiedene Bodenbearbeitungssysteme miteinander vergleichen. „Erst durch die Langzeitversuche können wissenschaftliche abgesicherte Daten für die Praxis gewonnen werden. Mit Herbst- und Winterbegrünung kann in Kombination mit mulchender Bodenbearbeitung der Humusgehalt nachhaltig gesteigert und CO2 im Boden gebunden werden“, informierte Landesgüterdirektor Dipl.-Ing. Dr. Josef Rosner. Der Boden bleibt am Acker, die biologische Aktivität im Boden wird ebenso wie der Ertragsfaktor Kohlenstoff gesteigert und somit werden die Erträge nicht nur langfristig stabilisiert, sondern sogar gesteigert. Die Pflanzendiversität ist aber nicht nur für den Boden positiv, sondern auch für die Tierwelt.
 
Minimierte Bodenbearbeitung verringert Erosion

„Die Durchführung der Erosionsversuche erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur“, erklärte Landesgüterdirektor Rosner. An den Lehr- und Versuchsbetrieben der Landwirtschaftlichen Fachschulen werden verschiedene Bodenbearbeitungssysteme in Langzeitversuchen wissenschaftlich geprüft. Neben der konventionellen Bearbeitung mit Grubber und Pflug, werden auch die Minimalbodenbearbeitung und No Tillage (NoTill = keine Bodenbearbeitung), wie sie bereits weltweit auf über 120 Millionen Hektar praktiziert wird, geprüft. Diverse Gründeckenpflanzen mit anschließender Mulch- und Direktsaat werden ebenfalls getestet. Die umfassenden Versuchsergebnisse zeigen sehr deutlich, dass sich durch Begrünung und fachlich richtige, minimierte Bodenbearbeitung die Erosion deutlich und effizient verringert werden kann.