Erstellt am 27. Juni 2014, 09:13

„Klimaschulen“ als neues Projekt. Die Klima- und Energiemodellregion Wiener Neustadt wurde kürzlich in das neue Bundes-Förderprogramm „Klimaschulen“ aufgenommen.

 |  NOEN, Stadt Wiener Neustadt
Unter dem Titel „Klimaschutz geht auch durch den Magen!“ hat der Energiebeauftragte der Stadt, Martin Hesik, gemeinsam mit dem Wiener Neustädter Verein „kulturGUTnatur“, der HTL Wiener Neustadt, der Volksschule Pestalozzi und der Neuen Mittelschule Burgplatz in mehrwöchiger inhaltlicher Arbeit ein Projektkonzept entwickelt, das im Frühjahr beim Klima- und Energiefonds eingereicht wurde.

Klimaschutz geht auch durch den Magen

Im Juni kam nun die erfreuliche Mitteilung, dass das Projekt von der Fachjury positiv bewertet wurde. 20.000 Euro an Fördermitteln sind somit zugesagt und das Projekt startet in den drei Schulen, mit ausgewählten Klassen, ab September. Die Stadt Wiener Neustadt stellte die Maßnahmen im Detail in einer Aussendung vor (siehe unten).
 
Ziel des einjährigen Projekts ist die Sensibilisierung zu Ernährungsfragen, aus dem Blickwinkel des Klimaschutzes, mit besonderem Fokus zur „Ernährungssouveränität“. Kinder und Jugendliche erfahren, wie sie eigenständig über ihre Ernährung entscheiden können und nicht hilflos Konsumangeboten ausgesetzt sind.

„Ernährung, Lebensmittel und Klimaschutz hängen wesentlich zusammen“

Fernab von Frontalunterricht steht statt dabei das „Learning by doing“ – das eigene Erleben, Schmecken und Spüren - im Vordergrund.

„Ernährung, Lebensmittel und Klimaschutz hängen wesentlich zusammen“, betont Umweltstadtrat Wolfgang Mayerhofer und hält weiter fest: „Rund ein Fünftel der klimaschädigenden Treibhausgase in Österreich gehen auf das Konto der Ernährung. Energieintensive Landwirtschaft, globale Produktions- und Transportketten und die in unserer Gesellschaft üblichen Konsumgewohnheiten tragen ihren Beitrag dazu bei. Dass es Alternativen dazu gibt und es auch anders geht, wollen wir mit dem Projekt verstärkt aufzeigen.“

Die Vereinsgründerinnen Elke Szalai und Karoline Karpati vom Verein „kulturGUTnatur“ meinen: „Uns es ist wichtig, Kindern und Jugendlichen einen lustvollen und positiven Zugang zu gesunder Ernährung, Garten und Selbst Tun zu vermitteln.“

Die Maßnahmen im Überblick

  •  „Energiedetektive“: SchülerInnen und LehrerInnen setzen sich gemeinsam mit der Energiesituation in der eigenen Schule auseinander. „Energiedetektive“ spüren „Stromfressern“ in der Schule nach, usw.

  • „Hier wächst uns was!“ – Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten: Unter fachlicher Anleitung erfahren mitwirkende LehrerInnen und Kinder praktisches Gartenwissen und Fähigkeiten zur eigenen Lebensmittelproduktion und –versorgung. Jedes Kind hat dabei eine eigene Gartenparzelle im Schau- und Nutzgarten des Vereins „kulturGUTnatur“ im Akademiepark, welches es über das ganzes Jahr selbst betreut und bewirtschaftet. Gemeinsam mit den Kindern wird gesät, geerntet, verkostet und gekocht. In eigenen Unterrichtseinheiten in der Klasse wird Hintergrundwissen vermittelt, werden aber auch Pflanzen und Sprossen für den Einsatz im Garten vorgezogen.

  • „draußen ernten – kochen – essen“ – Gutes, einfach und kostenlos vor der Haustür: Wildkräuter- und Wildobstwanderungen werden mit den Kindern durchgeführt, gemeinsam wird die Ernte verkocht und verkostet. Die HTL Wiener Neustadt baut Solarkocher und Solartrockner für den praktischen Einsatz.

  • „Wo gibt’s denn was?“ und „Wie schmeckt´s denn?“: Regionale Alternativen zum „Supermarkt-Einheitsbrei“ werden durch SchülerInnen und LehrerInnen erhoben, regionale Anbieter in Exkursionen besucht, im „Jausenkistl“ kommen regionale (Bio-)Produkte direkt in die Klasse und machen Gusto auf mehr. Die „besten Jausen“ werden in Rezeptbüchern gesammelt, die HTL Wiener Neustadt programmiert eine benutzerfreundliche Smartphone-App zu den regional vorhandenen Lebensmittelschätzen und –anbietern. Im „Sensorikworkshop“ werden die Geschmacksnerven geschult und auf Vordermann gebracht.

  • „Ess-Check“: Lebensmittel und Getränke an der eigenen Schule werden einem kritischen Blick unterzogen, was steckt dahinter - in Bezug auf Gesundheit, aber auch hinsichtlich Energieverbrauch und Klimaschutz. Beim „Marktcheck“ wird den Märkten in der Innenstadt auf den Zahn gefühlt.

  • Gemeinsames Abschlussfest: Alle drei mitwirkenden Schulen feiern am Ende des Schuljahres ein gemeinsames Abschlussfest – direkt im Schau- und Nutzgarten, an der Stätte ihres einjährigen Wirkens. Das Festbuffet bereiten Kinder, LehrerInnen und Eltern selbst, aus dem Erfahrungsschatz des vergangenen Jahres, aus der eigenen Gartenernte und ausschließlich mit regionalen und biologischen Produkten.