Lagerhaus Waidhofen ist standhaft wie eine Stieleiche. Genossenschaft zeigt,was sie leistet und welche Werte sie lebt. Generaldirektor hatte Geburtstagsschenk im Gepäck.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 13. Juni 2019 (04:16)

Baumarkt und der Getreidehandel: Birgit Perl war sich eigentlich sicher, was in den Tätigkeitsbereich von „Raiffeisen Lagerhaus“ fällt. Sie wurde während ihrer Vorbereitungen auf die Moderation anlässlich der 100-Jahres-Feier am Pfingstsonntag eines Besseren belehrt.

Das bringt Aufsichtsratsvorsitzender Franz Traxler wohl am besten auf den Punkt: Erworben werden kann die kleine Schraube und das fertige Haus. Nicht nur das.

Der Sämann auf dem Silo symbolisiert das ursprüngliche Kerngeschäft: die Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse (wie Getreide) und die Versorgung der Landwirte mit Waren, damit sie produzieren können. Man kann sein Auto reparieren lassen, tanken, Lebensmittel kaufen oder die Dienste des Dachdeckers, Spenglers, Installateurs oder Zimmerers nutzen.

"Unsere Kunden haben immer einen sicheren Partner"

„Am Lagerhaus führt kein Weg vorbei“, ist sich Perl nach ihrer Recherche sicher. „Es hat sich enorm viel geändert, aber unsere Kunden hatten immer einen sicheren Partner“, erzählt Obmann Albin Haidl-Trümel, seit 34 Jahren in der Genossenschaft vertreten.

Neues werde immer ausprobiert, ergänzt Wolfgang Schüller, seit 2008 Geschäftsführer. „Andererseits müssen wir auch der Geschichte Tribut zollen“, will er sich nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen. Stehen bleibt man dennoch nicht.

Zuletzt wurde in eine Getreidehalle investiert, jetzt wird der Baumarkt „praktisch verdoppelt.“ Die Fertigstellung ist für 2020 geplant.

Haidl-Trümel denkt zudem an die Bio-Übernahmestelle für Landwirte: „Wir müssen uns überlegen, wie wir das ausweiten können.“ 52 Prozent der Ackerflächen in Raabs seien bereits biologisch kultivierte.

"In jedes Dorf gehört eine Kirche – und ein Lagerhaus"

Bürgermeister Robert Altschach sieht das Lagerhaus als großen Wirtschaftsfaktor und Nahversorger, der die Stadt befruchtet. Gleich hinter dem Unternehmen soll ein Betriebsgebiet entstehen. „Ohne das Lagerhaus wäre es nicht möglich, global zu bestehen“, ist Bauernkammerobmann Nikolaus Noé-Nordberg überzeugt. „In jedes Dorf gehört eine Kirche – und ein Lagerhaus“, zitiert Jungfunktionärin Viktoria Hutter den 105-jährigen Leopold Dungler.

Er hat einst die Mitgliedsnummer des Mitbegründers Rudolf Kühtreiber übernommen. „Die Genossenschaft ist einer der erfolgreichsten Modelle“, zählt Waidhofen für Veronika Hahn, Revisionsleiterin im Raiffeisen-Revisionsverband NÖ, zu den Musterknaben. Sie ist Ansprechpartnerin bei Genossenschaftsgründungen: „Ich kann sehen, dass es bei Genossenschaften keine Insolvenzen gibt.“

Stieleiche als Geschenk überreicht

Reinhard Wolf, Generaldirektor in der Raiffeisen Ware Austria AG (RWA), benennt die Grundsätze: Hilfe zur Selbsthilfe, Subsidiarität und Solidarität seien im Lagerhaus bis heute gelebte Werte. „Wir sind ein großer Verbund, aber die Entscheidungen werden hier getroffen. Die Menschen in der Region entscheiden, was richtig und wichtig ist“, erklärt Wolf. „Das, was wir uns leisten können, investieren wir – nicht mehr und nicht weniger.“

Er überreichte dem Lagerhaus zum 100. Geburtstag etwas Nachhaltiges: eine Stieleiche. Sie wird im Herbst geliefert.