Franz Strohmer: Ein letztes Mal im Hotel Thaya gekocht

Der Seniorchef tischte noch einmal ein Sechs-Gänge-Menü auf, bevor das Hotel Thaya endgültig den Besitzer wechselt.

Erstellt am 24. November 2021 | 03:38

Haarscharf ist das 60. Weinkulinarium im Hotel Thaya am Lockdown vorbeigeschrammt: Franz Strohmer senior hat lange überlegt, welches Wochenende das Idealste ist und schließlich den weitgehend veranstaltungsfreien vorigen Samstag für die 60. Ausgabe des Schmauses gewählt. Einen Tag vorher war zu erfahren, dass am Montag die Gastronomie zu bleiben muss und Zusammenkünfte nicht mehr möglich sind.

Es wäre schade um das 60. Weinkulinarium gewesen, dass schon zuvor drei Mal coronabedingt abgesagt werden musste. Franz Strohmer schwang zum allerletzten Mal den Kochlöffel dafür: Die Nachfolger des Familienbetriebes haben die Entscheidung getroffen, das Hotel Thaya zu verkaufen. Es ist nun Teil der Gruppe „Waldviertel Hotels“, begründet von Klaudia und Jürgen Schuster. Wehmütig stimmt das den Seniorchef schon, wie er im NÖN-Gespräch erzählt. „Aber das ist die Entscheidung der nächsten Generation. Und für mich wird es leichter“, lacht er.

Dreier-Team in Küche ist seit drei Jahrzehnten aktiv

Strohmer hat vor Wochen schon die ersten Einkäufe für das Kulinarium in die Wege geleitet und steht mit seinem Team seit Donnerstag in der Küche. Jan Mattes, Otmar Wirtl und eben Franz Strohmer sind ein eingespieltes Team, seit über drei Jahrzehnten arbeiten sie zusammen. Hat der Chef etwas Spezielles für das letzte Sechs-Gänge-Menü mit Weinbegleitung gewählt?

„Nein. Es ist immer ein sehr abwechslungsreiches und auch regionales Menü“, erklärt Strohmer. Das Weingut Prechtl aus Zellerndorf (Bezirk Hollabrunn) kredenzte zu jedem Gang das Tröpferl – vom Gelben Muskateller 2020 als Aperitif bis zum Burgunder Cuvèe 2019 oder Mènage à trois 2017 als Abschluss.

Franz Prechtl war noch nie bei Strohmers Weinkulinarium vertreten, beliefert aber das Restaurant. Spezialisiert auf den Veltliner hat er mit dem Wirten bei der Auswahl darauf geachtet, „dass das Repertoire abwechslungsreich ist und der Gast unterschiedliche Sorten kennenlernen kann“.

Das Weinviertel und das Kamptal waren oft beim Kulinarium vertreten, Strohmer holte aber auch Weine aus dem Burgenland oder der Thermenregion ins Haus. „Ich bin seit 42 Jahren im Geschäft und ich habe in dieser Zeit viel Spaß gehabt, wir hatten Höhen und Tiefen, freundliche und weniger freundliche Gäste“, schildert er. Und diese guten Bekanntschaften möchte er nicht missen. „Zu den Winzern sind zum Teil sehr gute Freundschaften entstanden.“